Zahl des Monats

Zahl des Monats März 2016

01.03.2016 Zahl des Monats

76.471 Versicherte von rund 764.000 Versicherten in vollstationären Pflegeheimen erhielten im Jahr 2014 eine zahnärztliche Betreuung. Damit wurden etwa 10 v.H. der Pflegebedürftigen in Pflegeheimen erreicht. Der Ruf nach einer besseren Versorgung war und ist laut.

Im Rahmen des Pflege-Weiterentwicklungsgesetzes vom 28.05.2008 hat der Gesetzgeber mit dem neu eingeführten § 119b SGB V den Vorrang von Kooperationsverträgen vor einer Ermächtigung einer stationären Pflegeeinrichtung zur Teilnahme an der vertragsärztlichen Versorgung mit angestellten Ärzten betont. Mithin ist den stationären Pflegeeinrichtungen anstelle von Ermächtigungen zunächst die fakultative Möglichkeit eröffnet worden, Kooperationsverträge mit (zahn-)ärztlichen Leistungserbringern zur Verbesserung der ambulanten Versorgung zu schließen. Dennoch stand die (zahn-)ärztliche Versorgung in Pflegeheimen weiterhin in der Kritik, worauf der Gesetzgeber wiederholt reagierte. Mit dem Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz vom 23.10.2012 sollten Kooperationsverträge eine weitere Förderung erfahren. Mittels bundesweit geltender Rahmenvereinbarungen über Anforderungen an eine kooperative und koordinierte (zahn-)ärztliche und pflegerische Versorgung von pflegebedürftigen Versicherten in stationären Pflegeeinrichtungen sollten die Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen Pflegeeinrichtungen und (Zahn-)Ärzten gestärkt werden. Mit der Einführung des Hospiz- und Palliativgesetzes vom 01.12.2015 ist die bis dahin fakultative Möglichkeit, Kooperationsvereinbarungen mit vertragsärztlichen Leistungserbringern abzuschließen, zu einer „Soll“-Vorschrift weiterentwickelt worden. Inwiefern diese Novellierung die Versorgungssituation der Pflegebedürftigen in Pflegeheimen zu verbessern vermag, bleibt abzuwarten.

Von rund 13.000 stationären Pflegeeinrichtungen und rund 53.000 niedergelassenen Zahnärztinnen und Zahnärzten in eigener Zahnarztpraxis haben im Jahr 2014 insgesamt 1.608 Pflegeheime und 1.082 Zahnärzte 1.708 Verträge über eine kooperative und koordinierte zahnärztliche und pflegerische Versorgung von pflegebedürftigen Versicherten in stationären Pflegeeinrichtungen geschlossen. Diese Kooperationsverträge bilden die Grundlage für eine zahnärztliche Betreuung in Pflegeheimen. Tendenz steigend.

Die dargelegten Zahlen aber auch Untersuchungen weisen darauf hin, dass substanzielle Defizite bei der Mundgesundheit von Pflegebedürftigen bestehen. Zwar fokussiert jüngst das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz mit Einführung des § 22a SGB V explizit auf die individuelle Verhütung von Zahnerkrankungen u.a. bei Pflegebedürftigen, allerdings ist die Umsetzungsrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses hierzu noch nicht erarbeitet. Insofern wollen Betriebskrankenkassen, insbesondere durch Impulse in die Politik und Erarbeitung von Hinweisen zur Ausgestaltung der Richtlinie nach § 22a Abs. 2 SGB V, einen Beitrag zur Verbesserung der Versorgung Pflegebedürftiger in Bezug auf ihre Mundgesundheit leisten. Am 24. Februar 2016 fand die Veranstaltung BKK Werkstattgespräch „Mundgesundheit bei Pflegebedürftigen“ im Hause des BKK Dachverbandes e.V. statt. Gemeinsam mit Experten und Wissenschaftlern ist das Projekt im Bereich Versorgungsforschung mit dem Titel „Mundgesundheit bei Pflegebedürftigen“ vorgestellt und anhand folgender konkreter Fragestellungen diskutiert worden:

  • In welchem Umfang kann durch vorbeugende Maßnahmen der Mundhygiene der zahnärztliche Versorgungsbedarf verringert werden?
  • Wie kann die Mundgesundheit bei Pflegebedürftigen durch gruppenprophylaktische Screeningmaßnahmen, durch mundhygienische Leistungen in Pflegeeinrichtungen beziehungsweise in der häuslichen Pflege oder durch Schulungsangebote für Pflegekräfte verbessert werden? Hierzu sollen auch die curricularen Strukturen entwickelt werden.
  • Welche Chancen bestehen in diesem Zusammenhang durch eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen Zahnärzten, Zahnmedizinischen FachassistentInnen / Zahnmedizinischen ProphylaxeassistentInnen / DentalhygienikerInnen, Pflegekräften und pflegenden Angehörigen?