Zahl des Monats

Zahl des Monats März 2017

01.03.2017 Zahl des Monats

1,73% der BKK-Arzneimittelausgaben gehen auf den Online-Versandhandel ausländischer Versandapotheken zurück.

Der Anteil von erstattungsfähigen Arzneimitteln, die durch ausländische Online-Versandapotheken bezogen wurden, lag im Jahr 2016 für die Betriebskrankenkassen gerade einmal bei 1,73%. GKV-weit waren es von Januar bis September 2016 sogar nur 0,95%. Um diesen verschwindend geringen Anteil spannt sich derzeit jedoch eine emotional aufgeladene politische Diskussion.

Hintergrund ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes vom Oktober 2016, welches klarstellt, dass ausländische Versandapotheken vom deutschen Apothekenverkaufspreis abweichen dürfen. Begründet wird dies mit dem Argument, die geltende Arzneimittelpreisverordnung benachteilige Versandapotheken im EU-Ausland und beschränke somit das Recht auf den freien Warenverkehr innerhalb der Europäischen Union. Um am Wettbewerb teilzunehmen, bleibe ausländischen Versandapotheken allein der Weg über den Preis. Daher ist es rechtens, wenn Versandapotheken Boni für Patienten anbieten.

Gegner des Versandhandels prophezeien nun, die ausländischen Online-Versandapotheken würden die Sicherstellung einer wohnortnahen – und für alle Bürger zugänglichen – Versorgung gefährden, da es zum großen Apothekensterben auf dem Land käme. Dieses Argument entbehrt jeder Grundlage. Die überwiegende Mehrheit der Patienten bevorzugt nach wie vor die persönliche Betreuung in der Apotheke. Zahlen des BKK Dachverbands zeigen, dass der Umsatz auch nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes in Versandapotheken nicht ansteigt, sondern sogar sinkt (siehe Abbildung). Ganz im Gegenteil ist der Versandhandel eine zusätzliche Option, um die Versorgung der Versicherten mit Arzneimitteln zu gewährleisten. Dies gilt insbesondere für die Versorgung in ländlichen Regionen, in denen die Apothekendichte geringer ist.

Fraglich ist auch, ob der Ausschluss einer Branche vom Online-Versandhandel im 21. Jahrhundert zeitgemäß ist. Zumal das Versandhandelsverbot auch den inländischen Versandhandel deutscher Apotheken betreffen würde. Über 3.000 Apotheken in Deutschland haben eine Versandhandelserlaubnis. Davon betreiben 6% (ca. 150) einen ernstzunehmenden Versandhandel.

Die Betriebskrankenkassen setzen sich dafür ein, dass es nicht zum Verbot des Versandhandels kommt.