Agenturmeldungen

Chirurgen warnen vor Gefahr für OP-Erfolge durch Pflegemangel

20.03.2017

München (dpa) - Chirurgen warnen davor, dass ein Mangel an
Pflegekräften Behandlungserfolge gefährden könnte. «Trotz der enormen
Fortschritte in der Chirurgie gibt es in Deutschland erhebliche
Defizite in der Patientenversorgung», sagte Tim Pohlemann, Präsident
des 134. Chirurgenkongresses (21. März bis 24. März) in München. Auf
dem Kongress wollen rund 6000 Teilnehmer unter anderem über neue
OP-Techniken und die Weiterentwicklung ihres Faches diskutieren.
Patienten würden immer schlechter vor- und nachversorgt. «Das
entscheidet auch über eine höhere oder geringere Komplikationsrate.»
Je öfter Pfleger den Patienten sähen, desto eher bemerkten sie eine
negative Entwicklung.

Nicht zuletzt der demografische Wandel mit immer älteren Patienten
erfordere eine stärkere Betreuung. Dem stehe die pauschale Vergütung
entgegen. Denn für jedes Krankheitsbild gibt es eine Fallpauschale -
unabhängig davon, wie behandelt wird und wie aufwendig die Versorgung
ist. Das System müsse flexibler dem Einzelfall angepasst werden.
«Unsere Forderung ist, dass wir für jeden Betreuungsbedarf den
geeigneten Honorierungsschlüssel bekommen.»

Untersuchungen belegten, dass Deutschland bei der Personalausstattung
in Kliniken im internationalen Vergleich abfalle. «Die Pflege ist der
größte Kostenfaktor in einem Krankenhaus.» Folglich werde hier immer
weiter gespart. Auf einen Pfleger oder eine Schwester kämen
hierzulande 8 bis 14 Patienten, in Skandinavien liege das Verhältnis
bei 1:3 bis 1:5.