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GKV: Zuzahlungen für Kassenpatienten auch 2015 gestiegen

07.01.2016

Gute gesundheitliche Versorgung ist teuer. Das bekommen Patienten etwa bei Zuzahlungen zu spüren. Doch kaum einer weiß: Zuzahlungen dürfen höchstens zwei Prozent vom Einkommen ausmachen.

Berlin (dpa) - Gesetzlich Versicherte werden nicht nur durch höhere Zusatzbeiträge belastet, sondern auch durch steigende Zuzahlungen für medizinische Leistungen. In den ersten drei Quartalen 2015 lagen die gesamten Zuzahlungen um 125 Millionen Euro höher als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, wie der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) am Donnerstag mitteilte. Zuvor hatte die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» darüber berichtet.

 Betrachtet man die Entwicklung seit 2010 nahmen die Zuzahlungen bis 2012 von gut 5 Milliarden auf 5,5 Milliarden zu. 2013 und 2014 lagen sie bei 3,6 und 3,7 Milliarden Euro, nachdem die Praxisgebühr wieder abgeschafft worden war. Wenn man das Gesamtjahr 2015 gegenüber dem Vorjahr hochrechnet, liegt der Anstieg bei unter 200 Millionen Euro, beträgt somit die Höhe der Gesamtzuzahlungen etwa 3,9 Milliarden Euro.

Generell ist die Politik für die Höhe der Zuzahlungen verantwortlich. Der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz, erläuterte: «Die grundsätzliche Höhe der Zuzahlung pro Medikament oder bei einem Krankenhausaufenthalt hat die Politik per Gesetz festgelegt. Der aktuelle Anstieg geht auf die Ausgabenentwicklung zurück. Wenn insgesamt mehr Medikamente verschrieben werden und die Menschen häufiger in der Klinik sind, dann steigt auch die Summe der Zuzahlungen.»

Bei den Zuzahlungen gibt es allerdings eine Sozialklausel. Danach muss ein Versicherter nicht mehr als zwei Prozent seines Bruttoeinkommens im Jahr an Zuzahlungen leisten. Danach ist er davon befreit. Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr sind - mit Ausnahme von Fahrkosten - generell von Zuzahlungen befreit.

Das Bundesgesundheitsministerium teilte der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» mit, vor allem bei den Arzneimitteln seien die Zuzahlungen gemessen an den Gesamtausgaben überdurchschnittlich stark gestiegen. Das Ministerium führte die höheren Zuzahlungen dem Bericht zufolge unter anderem auf die gestiegene Zahl der Versicherten und die gesunkene Zahl der von Zuzahlungen befreiten chronischen Kranken zurück.

Ärger droht bei der geplanten Reform der Ärztehonorare für die Behandlung von Privatversicherten. Die SPD will nach einem Bericht der Zeitungen der Funke Mediengruppe verhindern, dass Ärzte bei der Behandlung von Privatpatienten mehr Geld bekommen. In einem Papier für die Klausur der SPD-Bundestagsfraktion werden demnach Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und die Länder aufgefordert, die Novelle zu verhindern.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sagte den Zeitungen: «Unser Ziel ist die einheitliche Bezahlung der Ärzte, egal ob sie privat oder gesetzlich versicherte Patienten behandeln.»