Agenturmeldungen

Immer mehr Pflegebedürftige werden zum Sozialfall

12.01.2016

Armutsrisiko Pflege - wer professionelle Pflege braucht, kann die Kosten mit dem Geld aus der Pflegeversicherung oft nicht decken. Betroffene werden vermehrt zum Sozialfall.

Berlin (dpa) - Immer mehr Pflegebedürftige brauchen zusätzliche Sozialleistungen. So stieg die Zahl der Empfänger von Hilfe zur Pflege in den vergangenen Jahren deutlich - von rund 340 000 im Jahr 2005 auf zuletzt 453 000. Auf diese Daten des Statistischen Bundesamts machte die Linke-Fraktionsvize Sabine Zimmermann im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Berlin aufmerksam.

Die Hilfe zur Pflege ist eine Sozialleistung, die den nicht durch die Pflegeversicherung gedeckten Bedarf auffangen soll, wenn Betroffene die Mittel nicht selbst aufbringen können.

Nach den jüngsten Daten von 2014 waren 292 000 Frauen und 161 000 Männer betroffen. 321 000 Empfänger bezogen die Leistung in einem Pflegeheim. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Empfänger von rund 444 000 um 9000 an. Auch die Ausgaben für die Hilfe zur Pflege wuchsen, von 2,6 Milliarden Euro 2005 auf zuletzt 3,5 Milliarden.

Zimmermann nannte es «überhaupt nicht akzeptabel», dass immer mehr Pflegebedürftige zum Sozialfall würden. «Die vermehrte Inanspruchnahme der Sozialhilfe zur Finanzierung von Pflegeleistungen verdeutlicht, dass die Pflegeversicherung als Teilkostenprinzip in immer mehr Fällen nicht funktioniert, da die Betroffenen und ihre Familien das Geld nicht aufbringen können», sagte sie der dpa. Wegen des erwarteten Anstiegs von einkommensschwachen Älteren werde sich die Tendenz verstärken.

Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher, sagte: «Es ist eine fatale Entwicklung, wenn immer mehr Pflegebedürftige auf staatliche Unterstützung angewiesen sind.» Pflegebedürftigkeit dürfe nicht zur Armut führen. Das Pflegegeld müsse rascher als geplant an das Preisniveau angepasst werden. 

Auch die Zahl der Pflegebedürftigen insgesamt ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Bezogen 2005 noch 1,95 Millionen Menschen Leistungen der Pflegeversicherung, waren es 2014 knapp 2,6 Millionen, davon rund 750 000 in Heimen. In den kommenden Jahren soll die Zahl weiter deutlich steigen. Der Eigenanteil, den Pflegebedürftige selbst zahlen müssen, wenn sie betroffen sind, ist in den vergangenen Jahren im Schnitt gewachsen.

Zimmermann forderte, die Leistungen der Pflegeversicherung müssten sich künftig am individuellen Bedarf orientieren. «Pflege darf nicht vom Geldbeutel abhängig sein.» Beiträge müssten dazu etwa - anders als heute - auch von Privatversicherten und auf Kapitalerträge bezahlt werden. 

Der Verband der Privaten Krankenversicherung riet zur privaten Vorsorge. «Eine Pflegezusatzversicherung bekommt man schon für wenige Euro im Monat», sagte Verbandssprecher Stefan Reker.