Agenturmeldungen

Kassen: Mauern zwischen Praxen und Kliniken gefährden Patienten

12.07.2017

Ärzte, wo sie nicht gebraucht werden, Kliniken und Praxen, die
nebeneinanderher arbeiten - die Krankenkassen ärgern sich über
Wildwuchs der der Gesundheitsversorgung. An die Politik haben sie
deutliche Forderungen.

Berlin (dpa) - Patienten in Deutschland sollen künftig nach
Forderungen der gesetzlichen Krankenkassen in Klinik und Arztpraxis
stärker aus einer Hand versorgt werden. Vielfach gebe es Mauern
zwischen diesen Bereichen, die zu unnötigen Kosten und Risiken für
Kranke führten, sagte der Vize-Chef des Kassen-Spitzenverbands,
Johann-Magnus von Stackelberg, am Mittwoch vor Journalisten in Nauen
bei Berlin.

«Das ungesteuerte Nebeneinander von Fachärzten und Krankenhäusern
verschlechtert die Versorgung», sagte von Stackelberg. «Aus einer
Hand zu planen, halten wir für die richtige Vorgehensweise.»

Akuten Handlungsbedarf meldeten die Kassen für Notfall-Patienten
an. «Stationäre, ambulante Notfallversorgung und
Rettungswagen-Notfallversorgung - das sind unterschiedliche Sektoren,
die überwunden werden müssen», sagte von Stackelberg. Leitstellen des
Rettungsdienstes und der Notdienst der Kassenärztlichen Vereinigungen
müssten besser verzahnt werden. Heute kämen Notfallpatienten oft in
Kliniken, die ihnen im speziellen Fall gar nicht helfen könnten. «Es
ist ja nicht einzusehen, dass ein Rettungswagen das
nächstbeste Krankenhaus anfährt - und dort ist gar keine passende
Versorgung möglich», sagte von Stackelberg.

Beim ambulanten Operieren gebe es massive Überkapazitäten, weil dies
neben den niedergelassenen Ärzten auch die Krankenhäuser machen
dürften. Auch hier sei Planung aus einer Hand dringend nötig. «Das
ist überfällig», so der Kassenfunktionär.

Bei bestimmten anderen Operationen - im Fachjargon:
spezialfachärztliche Versorgung - gebe es wiederum ganz andere
Probleme. So machten niedergelassene Augenärzte oft OPs und hätten
dann weniger Zeit für die normale Versorgung in ihrer Sprechstunde.
Patienten hätten dann oft - etwa mit langen Wartezeiten - das
Nachsehen.

Kernforderungen des Kassenverbands an die Politik für die kommende
Legislaturperiode sind deshalb eine einheitliche Planung für Praxen
und Kliniken - und eine einheitliche Vergütung. Heute werden Kliniken
und Praxen für bestimmte Therapien und Eingriffen unterschiedlich
bezahlt.

Viele Fachärzte ließen sich zudem heute auch dort nieder, wo sie gar
nicht gebraucht werden. «Wir brauchen einen Steuerungsmechanismus,
wonach die Zulassung eines Arztes in München nicht möglich ist, wenn
er dort nicht gebraucht wird, stattdessen aber ein Arztsitz in der
Oberpfalz unbesetzt bleibt.»