Agenturmeldungen

Krankenkasse: Leiharbeiter sind häufiger krankgeschrieben

10.08.2017

Macht Zeitarbeit krank? Eine große Krankenkasse sagt, die ständigen
Jobwechsel in fremden Unternehmen bergen körperliche und seelische
Risiken. Sie erntet damit Widerspruch bei einem Teil der Arbeitgeber.

Hamburg/Frankfurt (dpa) - Leiharbeiter fehlen nach Einschätzung einer
Krankenkasse häufiger am Arbeitsplatz als andere Arbeitnehmer. 20,3
Tage seien sie im vergangenen Jahr im Schnitt krankgeschrieben
gewesen, berichtete die Techniker-Krankenkasse (TK) am Donnerstag auf
der Grundlage der 4,8 Millionen bei ihr versicherten Erwerbspersonen.
Das waren 5,6 Tage mehr als bei den übrigen Beschäftigten, die auf
14,7 krankheitsbedingte Fehltage gekommen seien. Zuerst hatten die
Zeitungen der Funke-Gruppe über die Auswertung berichtet.

Vor allem von Erkrankungen der Psyche und des Muskel-Skelett-Systems
seien Leiharbeiter überdurchschnittlich häufig betroffen. Die
körperlichen Beschwerden seien auch darauf zurückzuführen, dass
häufig körperlich schwere Arbeiten zu verrichten seien.

Ein rundes Drittel der zusätzlichen Fehlzeiten sei aber den
spezifischen Belastungen der Zeitarbeit zuzuschreiben, erklärte
TK-Experte Albrecht Wehner unter Hinweis auf frühere Befragungen.
«Die Beschäftigten empfinden vor allem eine Arbeitsplatzunsicherheit
und ihre begrenzten beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten im
Unternehmen als Belastung. Sie leiden unter der teilweise großen
Diskrepanz zwischen ihrer fachlichen Qualifikation und dem
Aufgabenfeld, in dem sie eingesetzt sind.» Auch die
Einkommenssituation sei für viele belastend.

Heftiger Widerspruch kam von Thomas Hetz, Hauptgeschäftsführer des
Bundesarbeitgeberverbandes der Personaldienstleister (BAP). Die TK
mache die Branche zum Sündenbock und zeichne ein Zerrbild.
Zeitarbeiter seien sozio-ökonomisch besser mit der Versichertenschaft
der AOK vergleichbar, bei der alle Versicherten im Schnitt schon auf
19,5 Fehltage im Jahr kämen. Ein Vergleich mit den TK-Versicherten
gehe fehl. Eine Sprecherin der Kasse forderte den Arbeitgeberverband
auf, endlich eine eigene Studie zum Krankenstand in der Branche
vorzulegen.

Der zweite Arbeitgeberverband IGZ räumte hingegen spezifische
Probleme ein. 54 Prozent der in der Zeitarbeit Beschäftigten seien
ungelernte Hilfsarbeiter, die an ihren wechselnden Arbeitsplätzen
schon aus Unerfahrenheit höheren Unfallgefahren ausgesetzt seien,
sagte der Sprecher des Interessenverbands Deutscher
Zeitarbeitsunternehmen, Wolfram Linke. Ständig vor neuen Aufgaben zu
stehen, könne auch psychisch belasten. Die Zeitarbeitsfirmen seien
aber gemeinsam mit den Entleihfirmen bestrebt, die Situation zu
verbessern und präventiv zu wirken.