Agenturmeldungen

PKV dringt auf neue Regeln für Beitragsanpassung

09.08.2017

Privilegiert, aber teuer. Ältere bezahlen mehr als Jüngere. Das sind
gängige Meinungen über die Private Krankenversicherung. Viele fordern
die Bürgerversicherung. Eine Studie soll die Vorhaltungen überprüfen.

Berlin (dpa) - Die privaten Krankenversicherer dringen auf neue
gesetzliche Regeln für Beitragsanpassungen, um die gefürchteten
sprunghaften Erhöhungen künftig zu vermeiden. Starke Beitragsschübe
nach mehreren Jahren ohne Anstieg vermittelten immer wieder den
Eindruck, die Private Krankenversicherung (PKV) sei besonders teuer,
sagte der Vorstand des privaten Versicherers Debeka, Roland Weber,
der dpa.

Nach einer neuen Untersuchung des IGES-Instituts fielen - je nach
betrachtetem Zeitraum - die Beitragsanhebungen für die knapp 9
Millionen privat Versicherten im Schnitt sogar niedriger aus als für
die gut 70 Millionen gesetzlich Versicherten (GKV). So ergebe sich
über die vergangenen zehn Jahren (2006 bis 2015) gerechnet im
Gesamtdurchschnitt in der PKV eine Steigerung von 2,2 Prozent pro
Jahr, in der GKV liege diese in dieser Zeit bei 3,7 Prozent pro Jahr.

Private Krankenversicherer können ihre Beiträge nur nach sogenannten
auslösenden Faktoren anheben. Das ist in der Regel dann gegeben, wenn
die Leistungen in einem Tarif nachweislich um mindestens zehn Prozent
höher liegen als ursprünglich kalkuliert (in einigen Tarifen fünf
Prozent). Dadurch kommt es über mehrere Jahre zu keiner Anhebung der
Beiträge. Irgendwann kann es dann zu einer sprunghaften Steigerung
kommen, da die Veränderungen der Vorjahre mit einkalkuliert werden
müssen.

Da es zum Jahreswechsel für zwei Drittel der PKV-Versicherten wieder
zu einen massiven Anstieg kam, wurde die Diskussion über die
gesetzliche Bürgerversicherung neu entfacht. Eine solche einheitliche
Krankenversicherung könnte nach einer Studie des Instituts für
Mikrodaten-Analyse (IfMDA, Kiel) eine Beitragserhöhung für heutige
gesetzlich Versicherte von 1,5 Prozentpunkten zur Folge haben, wenn
Ausgaben- und Einnahmenumfang von GKV und PKV beibehalten würden.

Zur Zeit liegt der Durchschnittsbeitrag in der GKV bei 15,7 Prozent.
Nach den Berechnungen wären es dann 17,2 Prozent. Nach der Studie
könnten die Privatversicherer zudem Altersrückstellungen von rund 210
Milliarden Euro (bis Ende 2017) einbehalten. Die Umsetzung einer
ausgaben- und einnahmenneutralen Bürgerversicherung wäre damit eine
umfassende Subventionierung der PKV.

Indessen stießen die Pläne Hamburgs, künftig die Mitgliedschaft von
Beamten in der GKV zu fördern, bei SPD und Grünen auf positive
Resonanz. Dieser Weg «ist großartig und führt in Richtung
Bürgerversicherung». Erstmals bekämen Beamte in Deutschland eine
echte Wahlfreiheit zwischen GKV und PKV, argumentierte
SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach.

Nach der IGES-Studie lagen die monatlichen Beiträge (von
Nicht-Beamten) 2015 in der PKV im Schnitt bei 473 Euro für Frauen und
413 Euro bei Männern. In der GKV lag die Beitragshöhe mit einem
durchschnittlichen Bruttoeinkommen bei 421 Euro. Der Höchstsatz für
die GKV lag bei 639 Euro. Die Studie kommt zudem zu dem Ergebnis,
dass Ältere unter den langfristig Versicherten kaum höhere Prämien
zahlen als Jüngere.