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PKV-Studie: Deutsches Gesundheitssystem mit Spitzenwerten in Europa

20.03.2017

Das deutsche Gesundheitssystem ist eines der besten weltweit. Doch es
würde noch die eine oder andere Strukturverbesserung vertragen - etwa
bei Krankenhäusern. Die Patienten scheinen jedenfalls bereit, für die
Behandlung in einem guten Haus längere Wege in Kauf zu nehmen.

Berlin (dpa) - Die Gesundheitsversorgung in Deutschland steht nach
einer neuen Studie des Verbandes der Privaten Krankenversicherung
(PKV) an der Spitze in Europa. Das deutsche Gesundheitssystem biete
seinen Versicherten im europäischen Vergleich die kürzesten
Wartezeiten, den schnellsten Zugang zu innovativen Arzneimitteln, die
freie Arztwahl sowie einen umfangreichen Leistungskatalog. Das geht
aus einer am Montag veröffentlichten Untersuchung des
Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) hervor.

Bei innovativen Arzneimitteln vergehen demnach in Deutschland
zwischen Zulassung und Markteinführung 3,5 Monate, in Großbritannien
sind es 3,9, in den Niederlanden 9,7 und in Spanien fast 16 Monate.
Die Gesundheitssysteme der einzelnen Länder sind zum Teil
steuerfinanziert, zum Teil über Beiträge. Und nur Deutschland hat
einen nennenswerten Anteil an Privatversicherten.

Nach der Studie erhalten hierzulande 76 Prozent der Patienten
insgesamt am selben Tag der Anfrage oder am nächsten Tag einen
Arzttermin. In häufig mit Deutschland verglichenen Staaten liege
diese Quote darunter: in den Niederlanden bei 63 Prozent, in Schweden
bei 58 Prozent oder in Frankreich bei 57 Prozent. Auf einen Termin
beim Facharzt müssten in Deutschland nur drei Prozent der Befragten
zwei Monate oder länger warten. In den Niederlanden seien es sieben
Prozent, in der Schweiz neun Prozent und in Norwegen 28 Prozent.

Nach einer neuen Umfrage der Techniker Krankenkasse (TK) sind 80
Prozent der Versicherten mit der eigenen medizinischen Versorgung
sehr zufrieden. Um die eigene Versorgungsqualität zu verbessern,
seien 72,5 Prozent der Versicherten bereit, den Arzt zu wechseln, 67
Prozent nähmen weite Anfahrtswege zum Krankenhaus in Kauf und fast
ebenso viel (66,3 Prozent) würden für eine Verbesserung der
Behandlungsqualität auch längere Anfahrtswege zum Arzt ins Kauf zu
nehmen. Etwas mehr als 82 Prozent wünschen sich demnach aber auch
verständlichere Informationen über die Qualität medizinischer
Leistungen.

Ein Indiz für die Zufriedenheit der Patienten mit ihrem
Gesundheitssystem sind Behandlungen im Ausland. Im europäischen
Vergleich variiert nach der PKV-Studie die Bereitschaft, zur
medizinischen Behandlung ins Ausland zu reisen, sehr stark. In den
Niederlanden ist sie nach der Studie mit 66 Prozent der Befragten am
höchsten und in Deutschland mit 11 Prozent am niedrigsten.