Morbi-RSA und Gesundheitsfonds

Vor sieben Jahren hat der Morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) den alten RSA abgelöst. Damit wurde der Zuweisungsmechanismus des Gesundheitsfonds umfassend erneuert, mit dem ein Finanzvolumen von rd. 200 Mrd. Euro kontinuierlich umverteilt wird. Die seitdem gültige, deutlich verfeinert Systematik soll dazu führen, die Zielgenauigkeit der Zuweisungen zu verbessern und damit Rahmenbedingungen für einen fairen Wettbewerb in der gesetzlichen Krankenversicherung zu schaffen. Ist dies gelungen? Hier gehen die Meinungen auseinander.

Eine Analyse der aktuellen Zahlen bezüglich der Einnahmen- und Ausgaben-Salden der Kassen sowie ihrer Zusatzbeitragssätze legt folgendes Bild nahe: Die Systematik des Morbi-RSA treibt die Schere zwischen den Kassen mit einer Über- und einer Unterdeckung kontinuierlich auseinander. In der Konsequenz nimmt der gewünschte Wettbewerb zwischen den Kassen teils groteske Züge an: Einige Kassen mit hohen Verwaltungskosten bei gleichzeitig, regional bedingt, günstigen Leistungsausgaben profitieren von überhöhten Zuweisungen aus dem Morbi-RSA und dann in der Folge noch von Geldern aus dem vollständigen Einkommensausgleich bei den Zusatzbeiträgen. Im Ranking der Verwaltungskosten oder bei Kundenbefragungen zur Service-Zufriedenheit liegen diese Kassen nicht notwendiger Weise auf den ersten Plätzen – eher im Gegenteil. Trotzdem profitieren sie von attraktiven Zusatzbeitragssätzen unter dem Durchschnitt und haben damit klare Wettbewerbsvorteile. Mit Können oder Kassenmanagement kann dies eher nicht begründet werden. Gleichzeitig sind Kassen mit Versicherten in teuren Regionen und dadurch erhöhten Ausgaben aber dennoch unterdurchschnittlichen Verwaltungskosten gezwungen, einen überdurchschnittlichen Zusatzbeitragssatz zu veranschlagen. Der daraus entstehende Wettbewerbsnachteil wird durch den im Jahr 2014 eingeführten vollständigen Einkommensausgleich zusätzlich verschärft. Er führt zu einem weiteren Mittelabfluss von Kassen, die Versicherte mit hohen Grundlöhnen bei gleichzeitig hohen Kosten haben. Empfänger sind Kassen mit Versicherten mit unterdurchschnittlichen Grundlöhnen, unabhängig davon, ob sie das Geld für die Finanzierung von Ausgaben benötigen oder nicht. Kassen mit niedrigen Grundlöhnen und gleichzeitig niedrigen Ausgaben profitieren dann doppelt. Die Konstruktion des Einkommensausgleichs ist also verfehlt. Der Wettbewerb gerät in eine Schieflage.

Diese ist bereits so massiv, dass kurzfristig politische Gegenmaßnahmen getroffen werden müssen. Bis nach der nächsten Bundestagswahl kann auf keinen Fall gewartet werden, um die ungerechtfertigte Beitragssatzspreizung zumindest etwas zu mildern. Hier insbesondere eine kurzfristig umsetzbare Lösungsoption aufzuzeigen und gleichzeitig weitere Handlungsoptionen zu eröffnen, ist Ziel dieser Broschüre.

Als Basislektüre zur Erklärung des Prinzips des Morbi-RSA, der Grundlagen der Krankheitsauswahl und des Klassifikationsmodells sowie der Funktionsweise des Gesundheitsfonds sei auf das Heft „Geldverteilungsmaschine Risikostrukturausgleich“ verwiesen. Die vertiefte Beschreibung der dort bereits skizzierten Sondergruppen im Morbi-RSA erfolgt in der Broschüre „Stellschrauben im Morbi-RSA – Sondergruppen im Fokus“. Wieder ist es uns ein Anliegen, dass die Auseinandersetzung um den Mechanismus des Morbi-RSA nicht nur den Fachexperten vorbehalten bleibt. Vor dem Hintergrund der aktuell virulenten Diskussion um die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung muss man sich einfach mit deren Motor, dem Morbi-RSA, stärker befassen.

Stellschrauben im Morbi-RSA – Sondergruppen im Fokus

31.03.2016

Die Broschüre „Stellschrauben im Morbi-RSA – Sondergruppen im Fokus“ können Sie hier als PDF herunterladen.