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BKK im Dialog: „Patient und Qualität im Fokus – geht das aktuell überhaupt?“

23.03.2017

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Die gestrige Veranstaltung „BKK im Dialog“ befasste sich mit der Frage, ob es aktuell umsetzbar sei, dass für die Akteure im Gesundheitswesen mit den aktuell vorliegenden Rahmenbedingungen in gleichem Maße Patientenversorgung und Qualität im Fokus habe könnten.

Plädoyer für Debatte zu Qualitätsaspekten – für und mit den Kassen

Für die Kassenseite erläuterte Dr. Gertrud Demmler, Vorstand bei der Siemens Betriebskrankenkasse (SBK) Parameter für eine Qualitätserfassung von Krankenkassen– so Transparenz bei den Beschwerdequoten sowie Qualität und Schnelligkeit der Bearbeitung von Versichertenanliegen. Die systematische Arbeit mit Versichertenfeedbacks, verbindlichen Servicestandards für die täglichen Versichertenkontakte sowie ein gutes Beschwerdemanagement seien Punkte, die eine seit Jahren ausgezeichnete Dienstleistungsqualität gewährleisten. Folgerichtig forderte Dr. Demmler von der Politik eine ernsthafte Qualitätsdebatte auch bei Krankenkassen. Für eine reibungslose und vom Patienten her gedachte gute Beratung im hochkomplexen deutschen Gesundheitswesen, sei ein erweitertes Datenverfügungsrecht für die Kassenseite unverzichtbar. Grundvoraussetzung dafür: der Wille des Versicherten. Die Umsetzung könne ähnlich wie bei der Patientenverfügung gestaltet werden.

Telematik-Infrastruktur und Integrierte Versorgung ausbauen

Nils Hindersmann, IG BCE, Abteilung Sozialpolitik referierte zu den Anforderungen an eine gute Versorgung aus betrieblicher Sicht. Dabei stellte er heraus, dass lange Erkrankungsdauern in der Chemiebranche zu verzeichnen seien, was eine besondere Herausforderung an ein gut funktionierendes betriebliches Gesundheitsmanagement sei. Insbesondere bei lange andauernden und oft unzureichend aufeinander abgestimmten Behandlungswegen, insbesondere bei psychischen Erkrankungen läge derzeit in der Versorgungspraxis noch vieles im Argen. Gerade für die kleinen Firmen seien gut miteinander vernetzte Akteure für gesunde Belegschaften unverzichtbar. Die Maßnahmen seien den Bedingungen vor Ort anzupassen, beispielsweise eher pragmatische, nicht formalisierte Ansätze für kleine Firmen. Hier bestehe großer Nachholbedarf. Als Forderungen der IG BCE in Richtung Politik benannte Hindersmann: Eine endlich funktionierende Telematik-Infrastruktur für die effiziente Umsetzung von E-Health Projekten, mehr Möglichkeiten für integrierte Versorgung – so für psychische Leiden sowie mehr Gestaltungsmöglichkeiten für ganzheitliches betriebliches Gesundheitsmanagement.

Politik befürwortet Qualitätsdebatte

Franz Knieps, Vorstand des BKK Dachverbandes begrüßte die Vertreter aller im Bundestag vertretenen Fraktionen und steuerte die lebhafte Podiumsdiskussion. Die Diskutanten waren sich einig darin, dass es an der Zeit sei, das Engagement gesetzlicher Krankenkassen unter den Qualitätsaspekten Beratungsleistung und Service zu betrachten, sie begrüßten die Initiative der SBK dazu. Zu den Wegen dazu differierten die Meinungen – der Spannungsbogen reichte vom Vorschlag, dass die Kassen dies untereinander selbst regeln sollten bis hin zur Überlegung, fundierte Standards und Benchmarks zu definieren.

Der Punkt Datenverarbeitung zum Zweck der Beratung – bei Einhaltung der hohen Standards für den Sozialdatenschutz – wurde ebenso kontrovers wie engagiert diskutiert. Einig waren sich die Diskutanten darüber, dass in einer immer stärker digitalisierten Umgebung das deutsche Gesundheitswesen einen hohen Nachholbedarf hat und eine sinnvolle Datenverknüpfung die Voraussetzung für eine zeitgemäße ganzheitliche Beratung für Patienten sei.