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BKK Werkstattgespräch “Entlassmanagement“

07.04.2016

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Ziel des BKK Dachverbandes ist es, in Kooperation mit AQUA, das Thema Entlassmanagement im Rahmen des Innovationfonds als Projekt aufzugreifen und damit mehr Bewegung ins Versorgungsgeschehen zu bringen. Für dieses Projekt will der BKK Dachverband weitere Kooperationspartner gewinnen. Das Interesse an dem Thema ist ungebrochen – auch auf Grund der aktuellen Verhandlung zu einer dreiseitigen Vereinbarung zum Entlassmanagement. Die zentralen Fragen sind die Umsetzung des Modells in der Praxis, Potenziale zur Vermeidung von Versorgungsbrüchen und Möglichkeiten zur notwendigen Aufwertung des Themas in der allgemeinen Wahrnehmung.

In der Ausgangssituation lässt sich feststellen, dass prinzipiell die nötigen Daten vorhanden sind, doch es fehlt noch am nötigen Austausch zwischen den Partnern. „Mit den Daten der Krankenkasse ließe sich klären, welche Vorbehandlungen ein Patient erhalten hat und sogar in welcher sozialen Situation er sich befindet“, erklärt Klaus Focke, Abteilungsleiter Versorgungsmanagement des BKK Dachverbandes. Der Bereich des Entlassmanagements hat inzwischen eine längere gesetzgeberische Historie: Zuletzt wurde mit dem Versorgungsstärkungsgesetz der § 39 Abs. 1a SGB V neu eingeführt. Die entsprechenden Richtlinien wurden durch den Gemeinsamen Bundesausschuss im Bereich des Entlassmanagements als Teil der Krankenhausbehandlung angepasst. Auf Grundlage des neu eingeführten Paragraphen sei die GKV mit den Leistungserbringern derzeit in der dreiseitigen Verhandlung für einen Rahmenvertrag, der das Entlassmanagement auf neue Beine stellen solle. 

Derzeit mangele es allerdings noch immer an konkreten Aufgabenbeschreibungen für beteiligte Leistungserbringer und Kassen, Qualifikationsanforderungen an Personal und ausreichender Regelungskompetenz des Gemeinsamen Bundesausschusses. Daher besteht untergesetzlicher Regelungsbedarf und es bedarf einer weiteren Kodifizierung im Rahmen des SGB V. Rahmenverträge nach § 112 SGB V zwischen GKV und Landeskrankenhausgesellschaften haben bisher ebenso wenig zur Verbesserung des Entlassmanagements beigetragen. 

Grundsätzliche Idee des Projektes „Entlassmanagement“ ist, mit Hilfe eines prädiktiven Modells den poststationären Behandlungsbedarf einzuschätzen – damit sind die zentralen Bausteine des Projekts ein Prognosemodell, ein gemeinsamer Datensatz im Krankenhaus und bei der Krankenkasse, die Entwicklung von Erhebungsinstrumenten und die Festlegung bzw. Beschreibung von notwendigen Qualifikationen. Zudem muss für das Projekt auch die Frage des Übergangs in die Regelversorgung gestellt werden. Mit der Veranstaltung wird auch das Ziel verbunden die Idee der Fachwelt zu präsentieren und Expertise vorzeitig einzubinden. Nach erfolgreicher Durchführung des Projekts, soll mit einer Modellregion das Prognosemodell in die Praxis umgesetzt werden. Dazu sollen dann entsprechend Mittel des Innovationsfonds aus dem Bereich „Neue Versorgungsformen“ beantragt werden. 

Wesentliche Diskussionspunkte sind: 

  • Der Stellenwert des Entlassmanagements ist noch verkannt, gerade für nachsorgende Leistungserbringer in der Pflege. Versorgungsbrüche sind tagtäglich in der Praxis erlebbar und müssen gelöst werden.
  • Bestehende Strukturen bei Kommunikation zwischen Kassen und Krankenhäuser müssen aufgegriffen werden (DRG-System).
  • Die Akzeptanz eines neuen Verfahrens zum Entlassmanagement hängt von dem entstehenden Dokumentationsaufwand ab. Dieser muss entsprechend niedrig sein, um keine extra Belastung der Pflegekräfte zu verursachen. Gleichwohl wird eine Umsetzung ganz ohne weitere Dokumentation schwierig. Anbieten sollten sich bereits eine Abfrage von zwei bis drei Faktoren in der medizinischen Anamnese, um späteren Dokumentationsaufwand gering zu halten.
  • Ein gutes Entlassmanagement stellt gleichzeitig auch Patientenempowerment sowie Empowerment der pflegenden Angehörigen dar.
  • Entlassmanagement für sich stehend ist nicht ausreichend, gerade die im Projekt aufgegriffene Forderung nach patientenrelevanten Endpunkten wird positiv aufgenommen. Im Fokus müssen vermeidbare Ereignisse und Patientensicherheit stehen. Zudem spiele die Kommunikation bei der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Institutionen eine große Rolle, um den Patienten zielgenau zu versorgen. Der Informationsfluss ist in alle Richtungen notwendig, insbesondere auch zu den nachsorgenden Leistungserbringern.
  • Beim Entlassmanagement ist zu beachten, dass aus datenschutzrechtlichen Gründen und insbesondere für ein derartiges Projekt immer die Zustimmung des Patienten vorliegen muss.
  • Das Projekt bietet eine Vielzahl von Ansatzpunkten. Deswegen ist eine Nachschärfung in Zielsetzung und Umfang des Projekts notwendig.
  • Zur Organisation und Umsetzung des Entlassmanagements biete sich ein eigener Code im Operation und Prozedurenschlüssel (OPS) an.
  • Nicht nur die personellen Strukturen der Leistungserbringer müssen betrachtet werden, wichtig ist auch, die Strukturen der Kassen zu beleuchten.
  • Welche Patientengruppen werden mit dem Modell erfasst? Lassen sich Risikogruppen feststellen?
  • Das Prognosemodell soll unterstützend sein, grundsätzlich sind gesetzliche Anpassungen notwendig wenn Daten zwischen Krankenkasse und Krankenhaus ausgetauscht werden sollen. In der Praxis gibt es bereits Ansatzpunkte, bei denen Daten an das Krankenhaus zurückfließen.
  • Der Pflegebedarf wird grundsätzlich durch Pflegekräfte festgestellt, der Betreuungsbedarf durch den Sozialdienst. Derartige Schnittstellenprobleme zwischen SGB V und SGB XI müssen auch beim Entlassmanagement beachtet werden.