Gesundheitsprogramme in Pflegeunternehmen


Betriebliches Gesundheitsmanagement als Zeichen der Wertschätzung


Gesundheit am Arbeitsplatz ist zu einem Schlüsselthema in der Pflegebranche geworden. Der spürbare Fachkräftemangel und hohe Krankenstände zwingen Pflegeeinrichtungen, sich diesem Bereich stärker zu widmen – nicht nur aus sozialer Verantwortung, sondern auch aus wirtschaftlicher Notwendigkeit. Träger, die sich um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter kümmern, verringern zum Beispiel Fehlzeiten, werden als attraktive Arbeitgeber wahrgenommen und binden erfahrene Fachkräfte.

Betriebliches Gesundheitsmanagement ist außerdem ein wichtiger Baustein, die Tätigkeit der Pflegekräfte anzuerkennen und wertzuschätzen. Mit einer systematischen Verankerung in den Pflegeeinrichtungen kann daher die Attraktivität des Pflegeberufes langfristig gesteigert werden. Mehr Menschen könnten so für die Ausübung dieses Berufs beziehungsweise für eine Rückkehr in diese Tätigkeiten gewonnen werden. Die Betriebskrankenkassen erarbeiten in Kooperation mit der Wirtschaft maßgeschneiderte Gesundheitsprogramme, um die Leitungsfähigkeit von Belegschaften zu erhalten. Konkrete Handlungsfelder für Unterstützungs - und Beratungsleistungen der gesetzlichen Krankenkassen in der Pflege sind

  • die Analyse des unternehmensspezifischen Arbeitsunfähigkeitsgeschehens und der Arbeitssituation,
  • die Unterstützung bei der Planung und Organisation der Arbeit,
  • die Förderung eines gesunden Miteinanders,
  • die Unterstützung in Belangen der Beziehungsarbeit in der Pflege,
  • die Anleitung zum gesunden Führen von Mitarbeitern,
  • die Stärkung der Gesundheit der Führungskräfte und Bewusstmachung ihrer Vorbildrolle

Im folgenden Abschnitt lesen Sie über betriebliche Gesundheitsprogramme, die Pflegeunternehmen und Betriebskrankenkassen gemeinsam entwickelt haben und umsetzen.





BKK VBU/ Haus am Beerenpfuhl

Resilienztraining für die Widerstandskraft der Pflegekräfte

Foto: SilviaJansen/iStock.com



Fachkräftemangel, hoher Krankenstand: Unter dem Motto „Wer pflegt die Pflege?“ führt die BKK·VBU zusammen mit der AHAB-Akademie – Institut für Mitarbeiter- und Firmengesundheit UG im Pflegewohnzentrum Kaulsdorf-Nord (Berlin) bei den Mitarbeiter*innen gesundheitsfördernde Maßnahmen durch, die die seelische Widerstandskraft und die damit verbundene Fähigkeit stärken, schwierige Arbeits- und Lebenssituationen ohne große Beeinträchtigung zu meistern.

Ziel: langfristige Verhaltens- und Verhältnisänderung mit Mehrwert für alle

Ziel des sogenannten Resilienztrainings ist, langfristig eine Verhaltens- und Verhältnisänderung zu bewirken. „Resilienz kann man trainieren, was zu einem positiveren Umgang mit Belastungen und Krisen führt. Es hilft zudem optimistisch in die Zukunft und mehr auf die guten, statt auf die schlechten Seiten des Lebens zu blicken“, erklärt Dr. Henry Kauffeldt, Gründer der AHAB-Akademie. Daher setzt das Resilienztraining der Akademie, das sich LOOVANZ nennt, an allen sieben Resilienzfaktoren an: Lösungsorientiert, Optimismus, Opferrolle (verlassen), Verantwortung, Akzeptanz, Netzwerkorientiert und Zukunftsplanung/Zielorientierung.

Dies ist sowohl für die Pflegekräfte, die Heimbewohner*innen als auch für die Pflegeeinrichtung ein Gewinn, denn ein solches Resilienztraining fördert die Gesundheit von Pflegekräften und sichert damit die Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit. Die große Arbeitsbelastung kann so besser bewältigt werden, was wiederum zu einer Steigerung und Sicherung der Pflegequalität führt.

Bedarfsanalyse, erster Workshop und dann Üben, Üben, Üben

In einer Einführungsveranstaltung wurden die Pflegezentrums-Mitarbeiter*innen an das Thema herangeführt und im Anschluss darum gebeten, den speziell entwickelten Resilienzfragebogen auszufüllen, um zu erfahren, welche Resilienz-Faktoren bereits gut und welche gering ausgeprägt sind. Mit den beiden am geringsten ausgeprägten Faktoren startete etwa zwei Wochen später der erste Modul-Workshop mit dem Training. Zu allen 7 Resilienzfaktoren finden 3 Trainingseinheiten à 90 Minuten statt. Jedes Modul beinhaltet 2-4 Übungen, die anschließend als Übungsaufgabe im Alltag selbständig trainiert werden sollen, um sich mit den eigenen Schwierigkeiten auseinanderzusetzen.

Der Resilienzfaktor „Akzeptanz“ gab im September den Startschuss im „Haus am Beerenpfuhl“. Im Workshop wurde thematisiert, dass die Mitarbeiter*innen unter fehlender Wertschätzung und hoher Erwartungshaltung der Klientinnen und Klienten leiden und ihnen oft ein fordernder Ton entgegenschlägt. Um damit besser umgehen zu können und Lösungen zu finden, helfen die praktischen Übungen. „Akzeptanz im Sinne der Resilienz bedeutet, sich Schritt für Schritt einer möglichst objektiven Wirklichkeit zu öffnen, um sie begreifen und annehmen zu können, ohne sich in innere Widerstände zu verstricken.“ (Zitat aus dem Handout der AHAB-Akademie). Das Training identifiziert im ersten Schritt störende Ursachen, im zweiten Schritt werden Methoden trainiert, auch negative und unangenehme Dinge zu akzeptieren, um zu einem besseren Wohlbefinden zu gelangen.

Als nächstes wurde der Faktor „Opferrolle (verlassen)“ behandelt. Hier wurden zugewiesene und erworbene Rollen sowie damit einhergehende Rollenkonflikte identifiziert. Im Anschluss wurde in praktischen Übungen erlernt, wie man die (passive) Opferrolle verlässt und wieder in eine aktive Position kommt. Aus dieser stabilen emotionalen Haltung heraus wird man wieder handlungsfähig und schafft es, schwierige Situationen besser zu bewältigen.

Gelerntes in den Alltag integrieren und weitere Resilienzfaktoren angehen

Begleitend zum Training gibt es das Online-Resilienz-Portal, in dem die Vorträge, Handouts, Übungsanleitungen und Videos zur Vertiefung und Wiederholung als Download zu Verfügung stehen. Bei individuellem Bedarf kann Kontakt zur Dozentin oder zum Dozenten aufgenommen werden. Die weiteren Resilienzfaktoren werden nun nach und nach trainiert. „Wir sind stolz darauf, mit dem Pflegewohnzentrum Kaulsdorf-Nord viele innovative Projekte wie das LOOVANZ Training umzusetzen. Gerade in den Zeiten des Fachkräfteengpasses ist es unser großes Anliegen, uns intensiv um die Pflege von Mitarbeitern in Pflegeberufen zu kümmern.“, so Manon Cichy, Account Managerin bei der BKK·VBU.

Für einen nachhaltigen Erfolg ist die Unterstützung durch das Pflegewohnzentrum Kaulsdorf-Nord besonders wichtig. Nicht nur, dass es den Bedarf für die Trainings erkannt hat, es stellt die Mitarbeiter*innen während des Trainings von der Arbeit frei.

Die Akteure


Als kleine Betriebskrankenkasse für die Verkehrsbau Union startete die BKK·VBU 1993. Seit 1996 auch offen für „betriebsfremde“ Interessierte, zählt sie mittlerweile mit über 500.000 Versicherten zu den dreißig größten Krankenkassen Deutschlands. Die BKK·VBU ist sehr engagiert und setzt sich unter anderem vorbildlich für Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) und Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) ein.

Das Pflegewohnzentrum Kaulsdorf-Nord verfügt über mehrere Standorte. Das „Haus am Beerenpfuhl“ bietet Wohngemeinschaften für ältere Pflegebedürftige und für Menschen mit Demenz, sowie Tages- und Kurzzeitpflege an und beschäftigt rund siebzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Die AHAB-Akademie – Institut für Mitarbeiter- und Firmengesundheit UG bietet unter dem Motto „Mitarbeiter gesünder machen“ ein vielfältiges Angebot aus Fort- und Ausbildungen im Bereich Betriebliches Gesundheitsmanagement und -förderung an. Die Mitarbeiter*innen geben dabei ihr Wissen und ihre langjährige Erfahrung über den gesundheitsbewussten Umgang mit mentalen und physischen Ressourcen weiter.