BGM-innovativ

 

 

BGM-innovativ – Rückenschmerzen vorbeugen und rechtzeitig behandeln

 

Das Gesundheitsprogramm BGM-innovativ der Betriebskrankenkassen zielt auf die nachhaltige Therapie von Muskel-Skelett-Erkrankungen

Muskel-Skelett-Erkrankungen sind in unserem Land die Hauptursache für Arbeitsunfähigkeit und Fehltage. Das Programm BGM-innovativ der Betriebskrankenkassen setzt der „Volkskrankheit“ konsequente Prävention und maßgeschneiderte Versorgung Betroffener entgegen. Ein Gewinn für Patienten und Unternehmen.

BGM-innovativ, oder kurz BGM-i, ist ein durch den Innovationsfonds der gesetzlichen Krankenversicherung als neue Versorgungsform gefördertes Projekt (Förderkennzeichen 01NVF16027) mit einer Laufzeit von vier Jahren (April 2017 bis März 2021). Beteiligt sind 15 Betriebskrankenkassen und mehr als 30 Trägerunternehmen der Betriebskrankenkassen, ambulante und stationäre Reha-Einrichtungen sowie zwei wissenschaftliche Institute der Universität Köln. Für eine friktionsfreie Versorgung sind zwölf Rentenversicherungsträger eng eingebunden. Die Gesamtkoordination des Konsortialprojekts liegt beim BKK Dachverband e.V.

 

Welche Ziele verfolgt BGM-innovativ?

Muskel-Skelett-Erkrankungen sind die Hauptursache für Arbeitsunfähigkeit, ganz besonders und im Altersverlauf stetig zunehmend ab dem vierten Lebensjahrzehnt. Demgegenüber erwartet die Betroffenen eine wenig bedarfsdeckende, weitgehend unkoordinierte und nur mühsam zugängliche Routineversorgung. Das BGM-innovativ zugrundeliegende Konzept zielt auf eine nachhaltige Versorgung betroffener Personen in allen Stadien der Erkrankung. Den Schwerpunkt setzen wir allerdings auf die Prävention und Früherkennung in einem noch nicht manifestierten Stadium der Erkrankung. Eine Chronifizierung der Beschwerden soll vermieden, die Krankheitsdauer gesenkt und die Beschäftigungsfähigkeit dauerhaft erhalten werden.

Die mit dem Projekt einhergehende Evaluationsstudie dient der Überprüfung der Wirksamkeit des Programms anhand der Ergebnis-Variablen Schmerz, Selbstwirksamkeit, Arbeitsfähigkeit und AU-Tage. Die Evaluation wird durchgeführt vom Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft der Universität zu Köln (IMVR). Für Biometrie und Randomisierung zuständig ist das Institut für Medizinische Statistik und Bioinformatik der Universität zu Köln (IMSB).

Wer macht mit?

BGM-innovativ findet statt in ausgewählten Trägerunternehmen der teilnehmenden 15 Betriebskrankenkassen. Dies sind:

•    BMW AG in Leipzig und in Berlin (BMW BKK)
•    Continental Automotive GmbH in Regensburg (Siemens-Betriebskrankenkasse SBK)
•    Deutsche Rentenversicherung Braunschweig-Hannover in Laatzen und Braunschweig (BKK Public)
•    EUROPIPE Deutschland GmbH in Mülheim (VIACTIV Krankenkasse)
•    Industrie Center Obernburg (BKK Akzo Nobel Bayern)
•    Industriepark Weinheim (BKK Freudenberg)
•    Ineos Köln GmbH (pronova BKK)
•    Johnson Controls Varta Autobatterie GmbH in Hannover (pronova BKK)
•    Koenig & Bauer AG in Würzburg und in Radebeul (Koenig & Bauer Betriebskrankenkasse)
•    Mahle GmbH in Rottweil (BKK Mahle)
•    PwC AG in Düsseldorf (BKK PwC)
•    Salzgitter AG (BKK Salzgitter)
•    Salzgitter Mannesmann Grobblech GmbH in Mülheim (VIACTIV Krankenkasse)
•    SKF GmbH in Schweinfurt (SKD BKK)
•    Stadt Salzgitter (BKK Public, BKK Salzgitter)
•    thyssenkrupp Steel Europe AG in Duisburg (Novitas BKK)
•    TUI AG in Hannover (TUI BKK)
•    Vallourec Deutschland GmbH in Mülheim (VIACTIV Krankenkasse)
•    Wieland-Werke AG in Ulm und in Vöhringen (Wieland BKK)

Teilnehmen können die an diesen Standorten beschäftigten BKK-Versicherten. Zusammen sind dies etwa 45.000 Personen.

Was macht BGM-innovativ?

Das Konzept basiert auf einem Prototypen, der bereits einige Jahre in Salzgitter (Salzgitter AG, BKK Salzgitter) erprobt wurde. Im Zentrum der Versorgung steht das Fallmanagement der Betriebskrankenkasse. Die speziell geschulten BKK-Fallmanagerinnen und Fallmanager lotsen (und motivieren) die Versicherten durch den gesamten Versorgungsprozess und kooperieren zu dem Zweck mit den Betriebsärzten und Ansprechpartnern der Deutschen Rentenversicherung (DRV).

Die Intervention besteht aus der Anwendung eines der drei verfügbaren Module, in denen je nach Krankheitsstadium und Schweregrad Maßnahmen der Frühintervention (Modul A bei leichteren Beschwerden), der arbeitsplatzbezogenen Rehabilitation (Modul B bei chronischen Beschwerden) und des Jobmatchs (Modul C bei längerer Arbeitsunfähigkeit und drohendem Arbeitsplatzverlust) durchgeführt werden.

Alle Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements und Versorgungsmanagements sind auf die einzelnen Betroffenen zugeschnitten, das heißt, sie sind an deren spezifischen Krankheitszustand, ihr Beschwerdebild und ihren Arbeitsplatz und dessen Anforderungen ausgerichtet. Der Zugang zu den Maßnahmen ist niedrigschwellig, die Inanspruchnahme erfolgt arbeitsplatznah und deren Nutzen ist – so das Ziel – nachhaltig.
 

Warum dieses Projekt?

Muskel-Skelett-Erkrankungen sind nach wie vor die führende Ursache für Fehltage bzw. Arbeitsunfähigkeit (AU). Und das mit großem Abstand vor psychischen und Atemwegserkrankungen. Ein Viertel aller AU-Tage geht auf das Konto der Muskel-Skelett-Erkrankungen. Und noch viel häufiger – lange vor dem Zustandekommen einer Arbeitsunfähigkeit – treten Beschwerden (Schmerzen) der Muskeln und der Gelenke auf, also zum Beispiel Rückenschmerzen. Diese mindern nicht nur die Arbeitsfähigkeit, sondern in erheblichem Maße auch die Lebensqualität der Betroffenen. Muskel-Skelett-Erkrankungen zeigen sich typischerweise besonders im mittleren und hohen Lebensalter: Eindrucksvoll lässt sich das anhand der AU-Daten zeigen (siehe Abb.) - die Zahl der AU-Tage steigt ab dem vierten Lebensjahrzehnt rapide an. 

 

In welcher Phase befinden sich Programm und Studie aktuell?

Ende Februar 2020 lief die Phase der Rekrutierung neuer Fälle aus. Nun ist die Auswertung und Bewertung der Ergebnisse angelaufen. Bis Ende März 2021 sind diese dem Förderer, also dem Innovationsausschuss, vorzulegen. Dieser wird die Ergebnisse insbesondere unter dem Blickwinkel der Übertragbarkeit der untersuchten „neuen Versorgungsform“ in die Regelversorgung und auf andere Akteure und Regionen bewerten.

Wie sieht die wissenschaftliche Begleitung aus?

Zur Überprüfung der Wirksamkeit des Programms setzen wir quantitative und qualitative Methoden der Sozialforschung ein. Die teilnehmenden Beschäftigten werden über ein Zufallsverfahren einer von zwei Gruppen (Interventions- und Vergleichsgruppe) zugelost. Jeweils vor und nach der Intervention bzw. gesundheitlichen Leistung füllen sie einen Fragebogen aus. Die subjektive Wahrnehmung der Schmerzen, der Selbstwirksamkeit und der Arbeitsfähigkeit dient als Parameter für den Vergleich zwischen den Gruppen und den beiden Zeitpunkten. Ergänzt werden diese durch Testergebnisse (Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit, EFL) und durch Arbeitsunfähigkeitsdaten der Krankenkassen. Hinzu kommen qualitative Daten aus Fokusgruppen mit den BKK-Fallmanagern Interviews mit den Betriebsärzten. Die Evaluation übernimmt das Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft (IMVR) der Universität zu Köln, um die Randomisierung und Biometrie kümmert sich das Institut für Medizinische Statistik und Bioinformatik (IMSB) der Uni Köln.
 

Das Wirkmodell

Dem Projekt „BGM-innovativ – Arbeitsplatznahes, trägerübergreifendes Versorgungsmanagement der Betriebskrankenkassen“ liegt ein Konzept zugrunde, das die gesundheitliche Versorgung von Beschäftigten mit Beschwerden im Muskel-Skelett-Bereich verbessern soll. Das Konzept setzt auf für die Betroffenen möglichst niedrigschwellig umsetzbare, individuelle und bedarfsgerechte Maßnahmen. Speziell geschulte Fallmanager*innen der Betriebskrankenkassen fungieren als Lotsen, Ansprechpartner und Motivatoren der Betroffenen.

Zu überprüfen, ob das Konzept tatsächlich funktioniert, also ob die Maßnahmen positive gesundheitliche Auswirkungen zeigen, ist Ziel der wissenschaftlichen Begleitung (Evaluation) des vom Innovationsfonds geförderten Projektes. Das erfordert eine Menge an Daten, die u. a. durch Befragungen und Testungen der körperlichen Belastbarkeit der Beschäftigten sowie in Interviews der Betriebsärzt*innen, Physiotherapeut*innen und Fitnesstrainer*innen erhoben werden.

Gesundheitliche Veränderungen machen die Evaluatoren über die Veränderung (Vorher-Nachher-Vergleich) sogenannter Zielgrößen (Outcome-Parameter) fest, in BGM-innovativ sind das u. a.: Arbeitsunfähigkeitstage, Arbeitsfähigkeit, Schmerzen und Selbstwirksamkeit. Das Wirkmodell skizziert, wie diese Größen zusammenwirken:

 

Abb. Wirkmodell von BGM-innovativ

 

Das Projekt endet im März 2021, im Anschluss werden die Ergebnisse veröffentlicht. Erste Erkenntnisse erwartet der BKK Dachverband Anfang des Jahres.


Gibt es schon erste Erkenntnisse?

Erste Erkenntnisse (Trends) zum Beispiel aus den Fokusgruppen und Interviews liegen vor, die aktuell von den Betriebskrankenkassen herangezogen werden, um über eine Fortsetzung des Programms auf eigene Kosten zu entscheiden. Vollständige Aussagen zum Erfolg der Studie und zur Wirksamkeit des Programms aufgrund der Fragebogenerhebung und der AU-Daten werden erst nach der Auswertung aller Daten möglich sein. Dies wird nach aktuellem Stand Ende Januar 2021 der Fall sein. Ungeachtet dessen werden wir erste Zahlen und Erkenntnisse zum Verlauf des Projektes in den nächsten Wochen und Monaten kommunizieren.

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