Zahl des Monats

Zahl des Monats April 2018

01.04.2018 Zahl des Monats

Die Fehlallokation der Versichertengelder wird in der Spanne der Deckungsbeiträge zwischen den Krankenkassen sichtbar: diese liegt im Jahr 2016 – für das die aktuellste amtliche Berechnung der Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds vorliegt – bei 2,5 Mrd. Euro. Tendenz: weiter steigend. Eine schnelle Übergangslösung muss her, damit Geld der Versorgung folgt.

Rund 1,5 Mrd. Euro erhielten die Allgemeinen Ortskrankenkassen  für  das  Jahr  2016  mehr  an  Zuweisungen,  als  sie  zur  Deckung  ihrer  Ausgaben  tatsächlich  benötigten.  Die  Ersatzkassen  erhielten  hingegen  fast  eine  Milliarde  Euro zu wenig. Mit einem besonders guten bzw. schlechten  Ausgabenmanagement  sind  solch  massiven  Unterschiede  nicht   zu   erklären.   Ursache   ist   vielmehr   die  Mechanik  des  Morbiditätsorientierten  Risikostrukturausgleichs (Morbi-RSA). Die Verwerfungen sind Grund dafür,  dass  sich  -  trotz  aktuell  guter  Finanzergebnisse  -  die  Zusatzbeitragssätze  und Rücklagen  der  Krankenkassen weiter auseinanderentwickeln.

Die neue große Koalition hat es sich in ihrem Koalitionsvertrag  zur  Aufgabe  gemacht,  den  Morbi-RSA  mit  dem Ziel eines fairen Wettbewerbs weiterzuentwickeln. Angesichts  der  weiter  wachsenden  Schere  ist  dringender  Handlungsbedarf geboten.  Auf weitere  Gutachten kann ob dieser dramatischen Situation nicht gewartet werden.

Mit einer unkomplizierten und zeitlich befristeten Übergangslösung muss schnell Luft geschaffen werden, um dann grundsätzlichere  Reformmaßnahmen  entwickeln zu  können.  Denkbar  wäre  etwa  ein  Hybrid-Modell,  bei  dem eine Hälfte der Krankenkassenausgaben nach den Vorgaben   des   Morbi-RSA   ausgeglichen   würde,   die   andere  anhand  der  Ist-Kosten.  Damit würde die Zuweisungssystematik  für  die  Krankengeldausgaben  auf  die  Zuweisungen für berücksichtigungsfähige Leistungsausgaben übertragen. So ließen sich die Verwerfungen und damit auch die Schere halbieren.

Vorteil: Die aktuelle Position der Krankenkasse bzw. der Kassenart im Wettbewerb bliebe hierdurch unverändert. Wettbewerbliche  Anstrengungen  der Krankenkassen würden weiterhin honoriert.

Die Abbildung verdeutlicht, dass zwar durch die Umsetzung  des  Modells  Zeit  gewonnen  würde,  eine  grundlegende Weiterentwicklung des Morbi-RSA aber dennoch notwendig ist.

Was passiert, wenn der Gesetzgeber nicht handelt?

Handelt der Gesetzgeber nicht, hat dies zur Folge, dass

  • die Über- und Unterdeckungen weiter zunehmenwerden,
  • die Zusatzbeiträge weiter auseinandergehen,
  • Kassenschließungen und –fusionen drohen,
  • die Versicherten damit weniger Angebotsvielfalt bzw. Wahlfreiheit in der GKV haben,durch Marktkonzentration der Wettbewerb um eine gute Versorgung und guten Service sinkt,
  • die Leistungsanbieter einer regionalen Kassenmacht gegenüberstehen,
  • am Ende auch Arbeitsplätze bei den Krankenkassen reduziert werden oder verschwinden.