Zahl des Monats

Zahl des Monats November 2017

01.11.2017

79% der Befragten wollen selbst über Nutzung ihrer Gesundheitsdaten bestimmen.

„BEDENKEN FIRST, DIGITALISIERUNG SECOND"?

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist ein seit Jahren andauerndes Großprojekt, mit welchem große Erwartungen, aber auch nicht minder große Befürchtungen verknüpft werden. Dass dieses Thema entsprechend deutlich vielschichtiger ist als so mancher – wohl auch bewusst zugespitzt formulierter – (Wahlwerbe-)Slogan, liegt auf der Hand. Dies zeigen auch die Ergebnisse einer Umfrage zum Thema Digitalisierung, die im Rahmen des diesjährigen Schwerpunktthemas des bald erscheinenden BKK Gesundheitsreports durchgeführt wurde.

So spiegeln die Ergebnisse der deutschlandweiten Umfrage unter 3.000 Beschäftigten ein großes Bedürfnis an Mitbestimmung bezüglich der eigenen Gesundheitsdaten wider: 79% der Befragten stimmen der Aussage zu, dass es für sie wichtig ist, selbst bestimmen zu können, welche anderen Personen bzw. Institutionen die eigenen persönlichen Gesundheitsdaten einsehen können. 82% finden es ebenso wichtig, dass ihre persönlichen Gesundheitsdaten vor Missbrauch geschützt werden, aber rund jeder dritte Befragte (33%) hält es für nichtzutreffend, dass aktuell schon genug für den Schutz persönlicher Gesundheitsdaten vor Missbrauch durch Dritte getan wird. Die geringste Vertrauenswürdigkeit haben dabei aus Sicht der Befragten private Unternehmen (z.B. Pharma- oder IT-Unternehmen).

 

NUR WENIGE WÜRDEN KEINE DIGITALEN SERVICE-ANGEBOTE NUTZEN WOLLEN

Gegenüber dem Einsatz von digitalen Services in der Gesundheitsversorgung haben hingegen nur Wenige Berührungsängste: 85% der Befragten geben an, dass sie eins oder mehrere der vorgeschlagenen digitalen Service-Angebote nutzen würden (Abbildung 1). Am beliebtesten sind in dieser Auswahlliste, Meldungen an die Krankenkasse digital übermitteln zu können (58%), gefolgt von einer digitalen Erinnerungsfunktion für Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen etc. (43%) sowie eine persönliche Gesundheitsakte (41%). Interessant dabei: Es geben jeweils mehr Frauen als Männer an, diese nutzen zu wollen (z.B. Nutzung digitale Erinnerungsfunktion: 48% der Frauen vs. 39% der Männer). Auch waren Jüngere den Angeboten gegenüber aufgeschlossener (z.B. würden 32% der unter 30-Jährigen Online-Coachings nutzen).

Aber: Die Nutzungsbereitschaft hängt auch davon ab, ob die jeweilige Person viele Krankheiten hat. Nach Erkrankungen in den letzten 12 Monaten befragt, waren es diejenigen Umfrageteilnehmer, die mehr als 4 Erkrankungen angegeben haben, welche am meisten digitale Service-Angebote nutzen würden. So würden von diesen 72% die digitale Meldung an die Krankenkasse nutzen, 62% Erinnerungsfunktionen für Vorsorge und Impfungen und sogar 31% wären bereit an Online-Behandlungen von Krankheiten (z.B. bei psychischen Beschwerden, Diabetes, Tinnitus) teilzunehmen. Gleichzeitig wird mit steigender Zahl an Krankheiten das Thema Datenschutz deutlich relevanter. Rund 90% der Befragten mit mehr als 4 Erkrankungen stimmen der Wichtigkeit von Datenschutz und Datenhoheit zu. Fast jeder Zweite (46%) aus dieser Gruppe vertritt zudem die Ansicht, dass aktuell nicht genügend für den Datenschutz getan wird (vs. 28% derjenigen ohne Erkrankungen). Dies steht im Gegensatz zu einer anderen (ebenfalls öffentlichkeitswirksam formulierten) These, Datenschutz sei nur etwas für Gesunde.

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen wird schon sehnlichst erwartet – insbesondere von denen, die besonders von Krankheit betroffen sind. Datenschutz ist dabei aber kein lästiges Extra, sondern notwendige Grundlage für die Akzeptanz. Versicherte müssen außerdem stets Souverän ihrer Daten bleiben. Nötig sind dafür Qualitätsstandards, die auch von kommerziellen Anbietern z.B. von Apps eingehalten werden müssen. Hier bleibt von Seiten der Gesundheitspolitik in der kommenden Legislaturperiode Einiges zu tun (vgl. dazu die Politischen Positionen des BKK Dachverbandes), das angekündigte E-Health-Gesetz II bietet den möglichen Rahmen.

Weitere Ergebnisse und Analysen sind im neuen BKK Gesundheitsreport 2017 zu finden, der am 28. November 2017 erscheint.