Zahl des Monats

Zahl des Monats Oktober 2017

01.10.2017 Zahl des Monats

1,5 Beitragssatzpunkte beträgt die Spanne zwischen dem aktuell höchsten und dem aktuell niedrigsten Arbeitnehmerbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Damit ist die Spanne seit Einführung des Morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs (Morbi-RSA) im Jahr 2009 ungefähr gleichgeblieben. Im Jahr 2008, also im Jahr vor der Einführung des Morbi-RSA, betrug sie 1,65 Beitragssatzpunkte.

Die Abbildung zeigt auch, dass lediglich die Ortskrankenkassen in etwa auf dem Beitragssatzniveau von 2008 verharren. Bei allen anderen Kassenarten sind die Werte im Vergleich zum Jahr 2008 gestiegen. Ihre Mitglieder müssen nun höhere Beitragssatzanteile zahlen.

Die Beitragssatzspanne, also die großen Unterschiede in den Beitragssätzen der Krankenkassen, waren damals ein Grund für die Einführung des Morbi-RSA. Man führte die Unterschiede auf noch bestehende Anreize zur Risikoselektion zurück. Krankenkassen hätten einen Anreiz, sich um möglichst junge und gesunde Versicherte zu bemühen, um so Vorteile zu erzielen. Dieser Anreiz sollte, berechtigterweise, reduziert werden.

Kaum jemand zweifelt daran, dass dies seither gelungen ist. Der Morbi-RSA hat die Anreize zur Risikoselektion deutlich verringert. Aber, woraus resultiert dann der heutige Unterschied?

Nach Auffassung der Betriebskrankenkassen liegt die Ursache darin begründet, dass der Morbi-RSA derzeit seiner weiteren zentralen Aufgabe, nämlich faire Bedingungen im Kassenwettbewerb zu schaffen, nicht gerecht wird. Die Stellschrauben des Morbi-RSA sind falsch gestellt. Zudem ist er anfällig für Manipulationen. Er schafft sich derzeit vielmehr seine eigene Morbidität, als sie auszugleichen.

Insofern besteht nach Auffassung der Betriebskrankenkassen, wie auch schon im Jahr 2008, dringender Handlungsbedarf. Entgegen der Behauptung mancher ist der Morbi-RSA derzeit eben nicht der beste aller Zeiten.

Ein Gegensteuern der Politik ist schon zu Beginn der neuen Wahlperiode erforderlich. Als kurzfristige Maßnahmen, über die die bestehenden Unwuchten zumindest reduziert werden könnten, schlagen die Betriebskrankenkassen

-        die Streichung der Doppelberücksichtigung der Erwerbsminderungsrentner,

-        die Einführung eines zielgenauen Ausgleichs für Hochkostenfälle,

-        die Begrenzung des Einkommensausgleichs beim Zusatzbeitragssatz sowie

-        die Erhöhung der nicht morbiditätsbezogenen Komponente bei den Verwaltungskosten

vor. Über eine regelmäßige Evaluation und die Bereitstellung von Daten-Stichproben an Krankenkassen und Wissenschaft soll der Morbi-RSA zudem transparenter werden. Bestehende Manipulationsanreize müssen darüber hinaus entschieden angegangen werden.

Die kurz- und mittelfristigen Reformvorschläge der Betriebskrankenkassen werden in der Broschüre „Mechanik Morbi-RSA – Einfach, transparent, manipulationssicher“ vorgestellt.