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Wie geht es uns mit den Auswirkungen der Pandemie?

11.09.2020

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Es ist wohl unbestritten, dass die COVID-19-Pandemie (und die damit einhergehenden Maßnahmen) auch Einfluss auf unsere psychische Gesundheit hat. In Deutschland sind die psychologischen Begleiterscheinungen und Auswirkungen der Pandemie auf den Alltag der Menschen bislang wenig systematisch untersucht worden. Dennoch gibt es zahlreiche Umfragen, die einen Eindruck von Antworten auf die Frage geben: Wie geht es uns mit der Pandemie?

In aktuellen internationalen Studien zur COVID-19 Pandemie geben etwa 25 – 50 Prozent der Befragten an, unter Symptomen - verbunden mit Stress und psychologischer Belastung - zu leiden. Einer Studie der Donau-Universität Krems mit einer für Österreich repräsentativen Stichprobe von 1.009 Menschen zufolge sind in Österreich die von depressiven Symptomen Betroffenen von etwa vier Prozent auf über 20 Prozent angestiegen. Eine ähnlich starke Zunahme zeigt sich bei Angstsymptomen, die sich von fünf Prozent auf 19 Prozent erhöhten. Zudem leiden aktuell rund 16 Prozent unter einer Schlafstörung.

Im Cosmo-Monitoring der Universität Erfurt, wird dieser Tage kontinuierlich das Denken und Fühlen der Menschen erhoben. Die Ergebnisse der vergangenen Monate zeigen: Die Stimmung ist schwankend. Und das ist ein ziemlich gesundes Zeichen. Denn, auch das zeigt uns Corona: Emotional irritiert, auch mal intensiv auf ungewohnte Situationen zu reagieren ist einfach menschlich. Zu beobachten ist immer die Veränderung im Laufe der Zeit. Sind wir adaptionsfähig? Ja, so scheint es. Während die Sorgen über die individuellen Folgen der Krise relativ konstant bleiben (um 4-10 Prozentpunkte schwankend), antworten auf die Frage, ob Corona ihnen tendenziell Angst einflöße, zwischen 60 Prozent Ende März und 41 Prozent Anfang Juni der Befragten mit ja.

 

 

 

 

Was sagen die AU-Tage?

Aufschlussreich ist auch ein Blick auf den zeitlichen Verlauf der krankheitsbedingten Fehlzeiten die der BKK Dachverband im Rahmen seiner monatlichen Analyse der Daten von rund vier Millionen Beschäftigten, die als Mitglieder bei einer Betriebskrankenkasse versichert sind veröffentlicht. Bei den rund vier Millionen Beschäftigten, die als Mitglieder bei einer Betriebskrankenkasse versichert sind, ist der Krankenstand nach einem sichtbaren Zuwachs im März seit Mai auf einem niedrigen Niveau.

https://www.bkk-dachverband.de/gesundheit/statistiken/monatlicher-krankenstand.html

 

Im Gegensatz zu den Gesamtkennzahlen, haben die mit COVID-19 im Zusammenhang stehenden Fehlzeiten im April ihren bisherigen Höchstwert erreicht und sind danach bis einschließlich Juni deutlich zurückgegangen. 

Auffälligen Veränderungen für die Diagnosegruppe der psychischen Erkrankungen lassen sich aus den aktuellen AU-Daten nicht erkennen.

 

Und wie geht es den Beschäftigten?

In einer repräsentativen Erhebung hat das vom BKK Dachverband geleitete Projekt psychische Gesundheit in der Arbeitswelt (psyGA) knapp 2.000 Beschäftigte befragt – einmal vor der Krise im Herbst 2019 sowie erneut in der Woche nach Ostern, auf dem Höhepunkt der coronabedingten Lebenseinschränkungen.

Die zunächst überraschende Antwort: Im Durchschnitt geht es den Beschäftigten genauso wie vor der Pandemie. Wie kann das sein? Nun, wie das mit Durchschnittswerten so ist, lohnt es sich, etwas genauer hinzusehen. Die Ergebnisse zeigen: Für 45 Prozent der Befragten hat sich das psychische Wohlbefinden bedeutsam verändert. Einem Viertel geht es schlechter und etwa 20 Prozent besser als im November 2019. Im Mittelwert hebt sich das genau auf.  Es stimmt also beides: Die Krise hat durchaus Auswirkungen auf das Wohlbefinden. In der Gesamtschau bleibt es jedoch stabil.

 

 

Was beschäftigt uns am meisten?

Im Durchschnitt geben die Befragten an, dass einerseits ihre berufliche Überforderung abgenommen hat und die gesundheitsbedingten Leistungsbeeinträchtigungen geringer geworden sind, während andererseits die gefühlte Arbeitsplatzsicherheit gesunken ist. Nicht überraschend: Zwei Drittel der befragten Beschäftigten sehnen sich z. B. nach einer Aufhebung der Beschränkungen. 60 Prozent geben an, dass sie die Einschränkung der persönlichen Kontakte bedrückt. Über ein Drittel fürchtet, sich bei der Arbeit anzustecken.

Was unterstützt uns bei der Bewältigung der Krise?

Die psyGA - Befragung hat auch erhoben, was uns bei der Bewältigung der Krise unterstützt. Die Ergebnisse zeigen: Ein hoher Schutzfaktor für die psychische Gesundheit ist, wenn sich die Beschäftigten gerade jetzt mit ihrer Arbeit identifizieren können - d. h. wenn sie sich begeistern können, Freude an der Arbeit haben und sie als sinnvoll erachten. Besonders erstaunlich: Nicht nur die transparente Unternehmensführung an sich, jetzt oder vor einem halben Jahr, schützt die psychische Gesundheit, sondern vor allem das Ausmaß der Verbesserung in der Krise. Unternehmen, die sich in der jetzigen Situation bemüht haben, transparenter zu werden und offen mit den Beschäftigten umzugehen, stärken das Wohlbefinden. Der Schutzeffekt ist genauso stark wie der der Freude bei der Arbeit.