Im Auftrag des BKK Dachverbands hat forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH erneut eine repräsentative Befragung zum Thema „Gesundheitspolitik“ unter der deutschsprachigen Bevölkerung ab 18 Jahren in der Bundesrepublik Deutschland durchgeführt.
Im Rahmen der Befragung wurden unter anderem Meinungen zur Nutzung der Krankenkassenbeiträge, Sorgen im Falle der eigenen Pflegebedürftigkeit sowie Meinungen zur Zukunftssicherheit des Gesundheits- und Pflegesystems ermittelt. Insgesamt wurden 1.005, nach einem systematischen Zufallsverfahren ausgewählte, Bundesbürger und Bundesbürgerinnen ab 18 Jahren befragt. Die Erhebung wurde vom 12. bis 18. Dezember 2025 mithilfe computergestützter Telefoninterviews durchgeführt.


1. Meinungen zur Nutzung der Krankenkassenbeiträge
Die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung sind deutlich gestiegen. Der durchschnittliche Gesamtbeitragssatz wird im Jahr 2026 voraussichtlich mindestens 17,7 Prozent betragen.
Nur 3 Prozent der Befragten denken, dass die Erhöhung der Krankenkassenbeiträge zu einer Verbesserung der Gesundheitsversorgung gesetzlich Krankenversicherter führt. 48 Prozent glauben, die Qualität der Gesundheitsversorgung werde sich dadurch nicht wesentlich verändern. Ebenso viele (46 %) sind der Meinung, dass sich die Gesundheitsversorgung trotz höherer Beiträge verschlechtern wird, insbesondere die Befragten aus Ostdeutschland.

2. Maßnahmen zur finanziellen Entlastung der Krankenkassen
Für eine finanzielle Entlastung der Krankenkassen und zur Stabilisierung der Beitragssätze der Versicherten befürwortet rund die Hälfte der Bundesbürger (48 %) eine Anpassung der Ausgaben an die Einnahmen, d. h. die Ausgaben der Krankenkassen sollten nur so hoch sein wie ihre Einnahmen.
36 Prozent bejahen eine ausschließliche Finanzierung versicherungfremder Leistungen, die nicht direkt mit der medizinischen Versorgung der Versicherten zusammenhängen, durch Steuermittel.
Dass das Leistungsangebot der gesetzlichen Krankenkassen gekürzt werden sollte, um die Krankenkasse zu entlasten und die Beitragssätze zu stabilisieren, befürworten 13 Prozent der Befragten. 19 Prozent halten keine der genannten Maßnahmen für sinnvoll.

3. Stellenwert von Präventionsleistungen
Derzeit werden nur knapp zwei Prozent der gesamten Leistungsausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung für Präventionsleistungen ausgegeben. Knapp 98 Prozent der Leistungsausgaben entfallen auf die Behandlung von Krankheiten.
Gut drei Viertel der Befragten (77 %) meinen – wie bereits im März 2025 – Prävention sollte künftig einen größeren Stellenwert bei den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen einnehmen als bisher.
19 Prozent sprechen sich dagegen aus. Zwischen den verschiedenen Analysegruppen zeigen sich dabei keine nennenswerten Unterschiede.

4. Meinungen zur Versorgungsqualität
In Deutschland wird der Behandlungserfolg bislang nicht als Kriterium für die Vergütung von Ärzten und Kliniken berücksichtigt. 61 Prozent sind der Auffassung, dass die Vergütung künftig qualitätsabhängig gestaltet werden sollte.
Jeder bzw. jede Dritte (32 %) ist nicht dieser Meinung und findet die Vergütung sollte sich weiterhin ausschließlich an der Zahl der Behandlungsfälle bzw. der Menge der erbrachten Leistungen orientieren.

Vorschläge zur Entlastung des Gesundheitssystems
5.1 Einführung eines Primärversorgungssystem
Angesichts der Lücken in der Grundversorgung und der hohen Gesundheitskosten gibt es den Vorschlag, in Deutschland nach dem Vorbild anderer europäischer Länder ein umfassendes Primärversorgungssystem einzuführen. Kennzeichnend wäre dafür ein Ausbau der Digitalisierung sowie eine Grundversorgung durch berufsübergreifende Teams aus Pflegekräften, Ärzten und Angehörigen anderer Gesundheitsberufe, die die Versorgung sowie Steuerung und Koordination der Behandlung der Patientinnen und Patienten übernehmen.
Die Einführung eines solchen Primärversorgungssystems würden zwei Drittel (67 %) der Befragten begrüßen, überdurchschnittlich häfig die unter 30-Jährigen. 24 Prozent sind gegen die Einführung.

Vorschläge zur Entlastung des Gesundheitssystems
5.2 Einführung einer digitalen standardisierten Ersteinschätzung
Ein weiterer Vorschlag ist die Einführung einer digitalen, standardisierten Ersteinschätzung, um den medizinischen Behandlungsbedarf zu ermitteln und die Patientinnen und Patienten schneller und gezielter dort hinzuleiten, wo ihnen am besten geholfen werden kann.
Wie bei der Einführung eines Primärversorgungssystems, begrüßen auch hier zwei Drittel der Befragten (67 %) die Einführung eines solchen Ersteinschätzungsverfahrens. 30 Prozent der Befragten lehnen dies ab.
Auch die Einführung eines Ersteinschätzungsverfahrens wird von den unter 30-Jährigen überdurchschnittlich häufig befürwortet.

6. Zukunftssicherheit des Gesundheits- und Pflegesystems
Die alternde Gesellschaft, der Fachkräftemangel und die steigenden Gesundheits- und Pflegekosten stellen das Gesundheits- und Pflegesystem in Deutschland vor große Herausforderungen.
Nur 16 Prozent der Befragten glauben, dass es der aktuellen Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD gelingen wird, die richtigen Weichen zu stellen, um das Gesundheits- und Pflegesystem langfristig finanzierbar und zukunftsfest zu machen.
Die große Mehrheit (82 %) glaubt das nicht, überdurchschnittlich häufig Befragte aus Ostdeutschland.

7. Sorgen im Falle der eigenen Pflegebedürftigkeit
Aktuell geben etwas weniger Befragte als noch im März dieses Jahres an, sich eher große (4) oder sehr große (5) Sorgen (46 %) zu machen, im Falle der eigenen Pflegebedürftigkeit keine angemessene Versorgung zu erhalten (minus 8 Prozentpunkte). Dass sie sich diesbezüglich keine (1) oder wenige (2) Sorgen machen, gibt rund jede bzw. jeder Vierte an (26 %).
Frauen, Befragte zwischen 30 und 60 Jahren sowie formal mittel oder niedrig Gebildete machen sich vergleichsweise häufig eher oder sehr große Sorgen (4+5), im Falle einer Pflegebedürftigkeit keine angemessene Versorgung zu erhalten.
Über ihre finanzielle Sicherheit bei eigener Pflegebedürftigkeit sorgen sich mehr Befragte als über die Qualität ihrer Versorgung. 60 Prozent machen sich sehr bzw. eher große Sorgen (4+5), dass sie im Falle von persönlicher Pflegebedürftigkeit in finanzielle Schwierigkeiten geraten könnten. Knapp ein Viertel (23 %) sorgt sich diesbezüglich nicht (1) oder nur wenig (2). Sehr große Sorgen (5) um ihre finanzielle Sicherheit bei persönlicher Pflegebedürftigkeit machen sich insbesondere die Ostdeutschen, die Frauen sowie die Befragten mit formal niedrigem oder mittlerem Bildungsgrad.