IM FOKUS: Morbi-RSA

Aktuelle Überschüsse sind verzerrt und auch kein Grund, die Hände untätig in den Schoss zu legen

18.09.2018

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Aktuelle Überschüsse sind verzerrt und auch kein Grund, die Hände untätig in den Schoss zu legen

Alle drei Monate legt das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) sie vor: die aktuellen Zahlen zur Finanzentwicklung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Auch diesmal konnte das BMG verkünden, dass die Kassenarten und der Gesundheitsfonds über hohe Überschüsse und hohe Reserven verfügen. Ursächlich dafür sind zum einen die nach wie vor sehr positive konjunkturelle Entwicklung und zum anderen die nach wie vor moderate Ausgabenentwicklung.

Ein genauer Blick auf die amtlichen Ergebnisse macht deutlich, dass die Überschüsse äußerst unterschiedlich zwischen den Kassenarten verteilt sind. Der noch genauere Blick unter Berücksichtigung kassenindividueller Korrekturbuchungen lässt das tatsächliche Ausmaß der Diskrepanzen deutlich werden.

Derzeit ist die Transparenz hinsichtlich der Buchungspraxis der gesetzlichen Krankenkassen gering. Dies gilt insbesondere für die Einnahmenseite, also für die Verbuchung der Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds über den Morbi-RSA. Entsprechend besteht ein gewisser Spielraum, ein bestimmtes Geschäftsergebnis auszuweisen.

Bereits seit dem Ausgleichsjahr 2015 sind auf der Einnahmeseite bei einigen Kassenarten Verpflichtungsbuchungen zu beobachten, die hinsichtlich ihrer Höhe nichts mehr mit Buchungen eines vorsichtigen Kaufmannes zu tun haben und letztlich in den Schlussausgleichen wieder aufgelöst wurden. Das offizielle Finanzergebnis dieser Kassenart wird damit aber zunächst niedriger dargestellt, die Finanzrealität der GKV nur noch verzerrt widergegeben. Die Transparenz sollte daher über eine Begründungspflicht für bestimmte Buchungen erhöht werden.

Die stark unterschiedlich verteilten Überschüsse zeigen wieder deutlich, dass eine Reform der Finanzierungsgrundlage der Kassen, konkret des Morbi-RSA, unausweichlich und nun dringend erforderlich ist.