IM FOKUS: Morbi-RSA

Beeinflussung des Morbi-RSA im Krankenhausbereich beenden

24.09.2018

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In der Debatte über Möglichkeiten der Beeinflussung des Morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs (Morbi-RSA) stand bislang der ambulante Bereich im Fokus. Nun wird deutlich, etliche Kassen verwenden viel Energie darauf, auch andere RSA-Optimierungsoptionen wiederrechtlich auszunutzen. So zeigt sich nun, dass auch im Krankenhausbereich durchaus noch einige Schlupflöcher zu schließen sind.

So berichteten verschiedene Medien erst kürzlich über einen Prüfbericht des Bundesrechnungshofes (BRH) an das Bundesministerium für Gesundheit (BMG). In diesem Bericht weist der BRH darauf hin, dass einige Krankenkassen teilweise schon seit Jahren widerrechtlich besondere Vereinbarungen mit Krankenhäusern geschlossen hätten: In diesen Vereinbarungen akzeptiere das Krankenhaus bei den Versicherten der jeweiligen Krankenkasse eine pauschale Kürzung der Rechnung, wenn die Krankenkasse im Gegenzug auf die verpflichtende Prüfung der Rechnung verzichte. Damit, so rügt der BRH weiter, verließen diese Krankenkassen und Krankenhäuser zum einen die einheitliche Vergütungssystematik für die stationäre Versorgung, das DRG-System. Zudem könne es auf Grund derartiger Verträge auch an einer validen Datengrundlage für die Weiterentwicklung des Morbi-RSA fehlen.

Auf Grund des, ebenfalls vom BRH kritisierten uneinheitlichen Handelns der zuständigen Aufsichten in der Frage, haben zwischenzeitlich verschiedene parlamentarische Anfragen das BMG aufgefordert, gesetzlich klarzustellen, dass die beschriebenen Sondervereinbarungen zwischen Krankenkassen und Krankenhäusern rechtswidrig sind. Gesetzgeberisches Handeln des BMG? Bislang Fehlanzeige!

Nachdem der Gesetzgeber im ambulanten Bereich über verschiedenen Regelung erste Schlupflöcher geschlossen hat, ist nun auch für den stationären Bereich entschlossenes Gegensteuern gefragt. Denn für einen funktionsfähigen Morbi-RSA ist nicht nur eine ordnungsgemäße Abrechnung ambulanter, sondern auch stationärer Leistungen unerlässlich. Andernfalls wenden die Krankenkassen ihre Anstrengung auch in diesem Bereich nicht auf die Sicherstellung bestmöglicher Versorgung und bestmöglichem Service, sondern im Sinne der Optimierung der eigenen Finanzsituation vielmehr auf das geschickte Ausnutzen bestehender Spielräume fokussieren.