IM FOKUS: Morbi-RSA

Fair geht anders!

17.07.2018

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Die Deckungsbeiträge der Kassen driften immer weiter auseinander. Grund ist der falsch konzipierte Risikostrukturausgleich.

 

Die Deckungsbeiträge der Kassen driften immer weiter auseinander. Der Grund: Der morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich, der eigentlich Krankheitsrisiken der Versicherten fair unter den Kassen ausgleichen soll, funktioniert nicht wie gedacht. Seit Jahren erhält eine Kassenart deutlich mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds, als sie für die Versorgung benötigt – andere erhalten dafür zu wenig.

Die Krankenkassen erhalten ihr Geld aus dem Gesundheitsfonds über den morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA). Dieser soll dafür sorgen, dass die Kassen keine Rosinenpickerei bzw. eine Suche nach den gesündesten Versicherten betreiben. Zudem soll ihnen ausreichend Geld für eine gute Versorgung ihrer Versicherten zur Verfügung stehen. Der Morbi-RSA soll ein gerechtes Zuweisungssystem sein. Er soll außerdem die Basis für einen fairen Wettbewerb um eine gute Versorgung der Versicherten sein.

Diese Ziele werden aber nicht erreicht: Faire Wettbewerbsbedingungen gibt es heute nicht. Gleichzeitig bietet das System noch zu viele Optionen für Manipulationen. Die Folge: Die Deckungsbeiträge der Kassen, also die Differenz aus Zuweisungen des Gesundheitsfonds und den Ausgaben für GKV-Pflichtleistungen, driften massiv auseinander. Dies führt wiederum dazu, dass die Zusatzbeiträge der Kassen, die die Versicherten aktuell alleine zahlen, auch immer weiter auseinandergehen. Der Grund: Der Morbi-RSA folgt nicht der tatsächlichen Versorgung. Eine Kassenart erhält seit Jahren deutlich mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds, als sie für die Versorgung benötigt – andere erhalten dafür zu wenig.

Die „Vereinfachung und Verbesserung der Zielgenauigkeit des Risikostrukturausgleichs“ war noch 2006 Ziel des so genannten „Wettbewerbsstärkungsgesetzes“. Ziel verfehlt. Auch von der damit gleichzeitig erhofften „Grundlage für einen intensivierten und chancengleichen Wettbewerb“ kann keine Rede mehr sein. Dieser Morbi-RSA muss endlich renoviert werden.

Ohne mehr Wissen und Transparenz kann der Morbi-RSA allerdings nicht sinnvoll weiterentwickelt werden. Deshalb müssen auch Krankenkassen und Wissenschaft schnell Zugang zu den entsprechenden Daten erhalten, um tragfähige Vorschläge zur Weiterentwicklung des Morbi-RSA erarbeiten zu können. Ebenfalls kurzfristig muss eine regelmäßige Evaluation des Morbi-RSA durch unabhängige Wissenschaftler eingeführt werden. Sie befördert bei Bedarf schnelle Korrekturen und muss dazu ebenfalls die Wettbewerbsauswirkungen des Ausgleichs kritisch im Blick behalten. Die regelmäßige Evaluation ist zudem ein Mittel, Vertrauen in das Verfahren und dessen Ergebnisse zurück zu gewinnen.

Fazit: Der Morbi-RSA muss jetzt renoviert werden. Er darf einzig und allein der tatsächlichen Versorgung folgen. Die dazu erforderlichen Regelungen müssen klar und eindeutig sein. Manipulationen müssen wirksam ausgeschlossen werden.