IM FOKUS: Morbi-RSA

Ja zum Risikopool!

08.11.2019
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Der Gesetzentwurf zum Faire-Kassenwahl-Gesetz (GKV-FKG) sieht die Einführung eines Risikopools zum Ausgleich von besonders teuren Versorgungsfällen vor. Die geplanten Parameter, ein Schwellenwert von 100.000 Euro zu Beginn des Verfahrens, ein Ausgleich der übersteigenden Kosten von 80 Prozent und ein Eigenanteil von 20 Prozent zum Erhalt von Wirtschaftlichkeitsanreizen sind sachgerecht. Das finanzielle Risiko vor allem kleinerer Kassen durch Hochkostenfälle wird mit einem Risikopool reduziert und die Finanzierbarkeit der Versorgung sichergestellt. Nur wenn für einen entsprechenden Ausgleich gesorgt ist, werden die gesetzlichen Krankenkassen auch in Zukunft in der Lage sein, neue, besonders teure Therapien zu finanzieren. Andernfalls werden Kassen bestraft und gegebenenfalls sogar in die Insolvenz getrieben, die Versicherte mit teuren oder seltenen Erkrankungen versorgen.

Seitdem neue Arzneimittel wie Sovaldi für die Behandlung von Hepatitis-C-Patienten eingesetzt werden können, haben diese Patienten erstmalig eine Chace auf Heilung ihrer Erkrankung. Davor mussten sie jahrelang therapiert werden, ohne vollständig zu gesunden. Zudem mussten sie mit dem Risiko leben, an Leberkrebs zu erkranken.

Was dem Patienten hilft, bedeutet für die Krankenkasse, die diesen Menschen versichert, ein Risiko: Die Kosten für teure Arzneimittel zur Behandlung von Hepatitis-C oder anderen teuren Therapien werden meist nur zu einem kleinen Teil über den Morbi-RSA erstattet. Das ist auch bei der Hämophilie, der Bluterkrankheit, der Fall. Aus dem Morbi-RSA erhält eine Krankenkasse bis zu 280.000 Euro jährlich für diesen Versicherten. Die Kosten zur Versorgung des Patienten können jedoch weit über einer Million Euro liegen. Die Differenz der Kosten muss durch die Versicherten der Kasse aufgefangen werden.

Bei neuen besonders teuren Arzneimitteln und Therapien erfolgt sogar keine oder nur eine zeitlich stark verzögerte Erstattung, da diese - wenn überhaupt - nur mit erheblichen zeitlichen Verzögerungen im Morbi-RSA abgebildet werden. Gegebenenfalls muss eine Kasse zur Deckung dieser Kosten sogar ihren Zusatzbeitragssatz anheben und riskiert damit einen negativen Sog, weil dann Kunden möglicherweise zu Kassen mit günstigeren Beitragssätzen abwandern.

Die Einführung eines zielgenauen und unbürokratischen Ausgleichs für Hochkostenfälle über einen Risikopool ist notwendig!