IM FOKUS: Morbi-RSA

Morbi-RSA muss endlich ein „lernendes System“ werden: politische Entscheidungen notwendig

30.07.2018

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Trotz massiver Wettbewerbsverzerrungen wird seit Jahren nur zugeschaut: Ein Beirat gibt den Ton an, nicht Politik.

 

Die Schere der Deckungsbeiträge bei den Kassenarten geht seit etlichen Jahren immer weiter auseinander. Wenn nichts passiert, wird bald kein Wettbewerb mehr stattfinden (können), weil nur noch eine Kassenart übrigbleibt. Dass der Morbi-RSA dies bewirkt, ist längst bekannt. Doch statt zu handeln, wird zugeschaut. Hierfür ist keine Zeit mehr!

Der Morbi-RSA wurde bei seiner Etablierung im Jahr 2009 als „lernendes System“ bezeichnet, das hinsichtlich seiner Wirkungen auf die Risikoselektion aber auch den Wettbewerb regelmäßig überprüft und modifiziert werden sollte. In den letzten Jahren fand diese regelhafte Überprüfung jedoch nicht statt. Im Gegenteil: nur mit politischem Druck gelang es, Sondergutachten in Auftrag zu geben – und zwar an die Wissenschaftler, die den Morbi-RSA erfunden haben!

Einzelne Sondergutachten liegen nun vor. Konkrete Handlungsempfehlungen, die die massiven Wettbewerbsverzerrungen reduzieren, fehlen. Der Morbi-RSA wird trotzdem als der beste gelobt, den es je gab. Eine statistische Kennzahl, das R2, wird als Beweis für diese Aussage angeführt. Mit der Realität der Kassen, dem Versorgungsalltag sowie dem Wettbewerb hat dies jedoch nichts zu tun.

Andere Länder machen es uns vor: hier gibt die Politik vor, wie der jeweilige Ausgleichsmechanismus zwischen den Kassen wirken soll – die Wissenschaftler setzen diese Vorgaben statistisch/technisch um. In regelmäßigen Evaluation von unterschiedlichen Gutachtern und unter Beteiligung der betroffenen Kassen werden dann die Effekte einer Veränderung der Stellschrauben bzw. des Mechanismus geprüft. Dies muss auch das Vorgehen in Deutschland sein. Dazu gehört dann auch der politische Mut, weitere Veränderungen vorzunehmen. Nur dann ist es auch ein „lernendes System“.

 

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