IM FOKUS: Morbi-RSA

Regelhafte Evaluation ergänzen und Datenstichprobe für alle!

26.06.2019
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Über den Morbi-RSA werden aktuell rund 230 Milliarden Euro an die gesetzlichen Krankenkassen zur Finanzierung der Leistungsausgaben verteilt. Der Mechanismus soll eine Risikoselektion bei den Verscherten verhindern und faire Wettbewerbsbedigungen zwischen den gesetzlichen Krankenkassen herstellen. Ob der Morbi-RSA allerdings diesen Zielen gerecht wird, kann allerdings kaum einer sagen.

Im Jahr 2017 hat das Beratergremium beim Bundesversicherungsamt, der Wissenschaftliche Beirat, den Morbi-RSA und seine Wirkungen auf den Prüfstand gestellt. Diese Evaluation kam aber nur unter erheblichem Druck zustande. Vor diesem Hintergrund begrüßen die Betriebskranken, dass mit dem Faire-Kassenwahl-Gesetz nun endlich eine regelmäßige Evaluation des Morbi-RSA kommen soll. Allerdings sehen wir Interessenskonflikte, mit dieser Aufgabe den Wissenschaftlichen Beirat zu betrauen, wie im Referentenentwurf des GKV-FKG vorgesehen. Denn dieses Gremium hat die Entwicklung des Morbi-RSA wesentlich mitgeprägt und in seinem Gutachten im Jahr 2017 zur aktuellen Ausgestaltung des Mechanismus wenig Selbstkritik geübt. Die Betriebskrankenkassen fordern daher, den Beirat für die Evaluation um außerordentliche Mitglieder zu erweitern. Zudem sollte die Expertise der Krankenkassen sowohl im Vorfeld als auch während der Evaluation durchgängig einbezogen werden. 

Wird am Morbi-RSA etwas geändert, hat das für die gesetzlichen Krankenkassen unter Umständen erhebliche finanzielle Folgen. Daher versuchen sie, in Modellrechnungen Effekte von Reformen am Morbi-RSA abzuschätzen oder auch eigene Vorschläge zur Weiterentwicklung des Morbi-RSA zu entwickeln. Die Datengrundlage, die ihnen für solche Berechnungen zur Verfügung steht, ist jedoch sehr begrenzt. Entsprechend unterliegen ihre Berechnungen immer wieder Unwägbarkeiten. Genauso ergeht es Wissenschaftlern, die an der Weiterentwicklung des Morbi-RSA forschen.

Die vollständigen Daten zum Morbi-RSA liegen beim BVA. Allein das Amt kann die konkreten Folgen von Veränderungen am Morbi-RSA für die komplette GKV valide berechnen. Die Krankenkassen hingegen tun sich schwer, diese Berchnungen des BVA und die Auswirkungen von Reformvorschlägen nachzuvollziehen. Ursprünglich war der Morbi-RSA als lernendes System konzipiert. Dem steht jedoch ein solches Wissensmonopol entgegen. Die Betriebskrankenkassen fordern daher, künftig auch Wissenschaftler, die nicht dem Beirat angehören, und die Krankenkassen mit einem anonymisierten Datensatz auszustatten, der die gesamte GKV abbildet. Nur dann können sie Verbesserungen entwickeln, die einen fairen Wettbewerb zwischen den Kassen ermöglichen. Diese Regelung fehlt bislang im GKV-FKG und ist dringend zu ergänzen.