IM FOKUS: Morbi-RSA

Unnötige Geheimniskrämerei um Auswirkungen des Morbi-RSA und Reformvorschläge. Daher: Transparenz zum Morbi-RSA endlich erhöhen!

12.12.2018

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Über den Morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) werden jährlich mehr als 200 Mrd. Euro an die gesetzlichen Krankenkassen zur Finanzierung der Leistungsausgaben verteilt. Das ist erheblich mehr als der Länderfinanzausgleich im gleichen Zeitraum zwischen den Bundesländern umverteilt. Ziel des Morbi-RSA ist es, eine Rosinenpickerei (Risikoselektion) bei den Versicherten zu verhindern und faire Wettbewerbsbedingungen zwischen den gesetzlichen Krankenkassen herzustellen. Ob der Morbi-RSA diesen Zielen allerdings gerecht wird, kann kaum einer sagen.

Im vergangenen Jahr hat das Beratergremium beim Bundesversicherungsamt (BVA), der Wissenschaftliche Beirat, den Morbi-RSA und seine Wirkungen auf den Prüfstand gestellt. Diese Evaluation kam aber nur durch erheblichen Druck zustande. Zudem ist der Wissenschaftliche Beirat auch das Gremium, das die Entwicklung des Morbi-RSA wesentlich mitgeprägt hat. Damit hat der Wissenschaftliche Beirat im Wesentlichen seine eigene Arbeit begutachtet. Nicht verwunderlich war es daher, dass er am Morbi-RSA in seiner aktuellen Ausgestaltung und seinen Wirkungen nicht viel Kritik geübt hat.

Wir fordern daher: Der Morbi-RSA soll regelmäßig durch unabhängige Wissenschaftler insbesondere im Hinblick auf seine Wettbewerbswirkungen überprüft werden.

Wird am Morbi-RSA etwas geändert, hat das für die gesetzlichen Krankenkassen unter Umständen erhebliche finanzielle Folgen. Daher versuchen sie, in Modellrechnungen Effekte von Reformen am Morbi-RSA abzuschätzen oder auch eigene Vorschläge zur Weiterentwicklung des Morbi-RSA zu entwickeln. Die Datengrundlage, die ihnen für solche Berechnungen zur Verfügung steht, ist jedoch sehr begrenzt. Entsprechend unterliegen ihre Berechnungen bestimmten Unwägbarkeiten – die unter Umständen allerdings gewichtig sein können. Genauso ergeht es Wissenschaftlern, die an der Weiterentwicklung des Morbi-RSA forschen.

Die vollständigen Daten zum Morbi-RSA liegen beim BVA. Es ist damit die einzige Institution, die die Folgen von Änderungen am Morbi-RSA für die komplette GKV valide berechnen kann. Die Krankenkassen hingegen tun sich sehr schwer, die Berechnungen des BVA zu den Auswirkungen von Reformvorschlägen nachzuvollziehen. Ursprünglich war der Morbi-RSA als lernendes System konzipiert worden. Dem steht solch ein Wissensmonopol jedoch entgegen.

Wir fordern daher: Auch Wissenschaftler, die nicht dem Beirat angehören, aber auch die Kassen müssen endlich einen, die GKV abbildenden, anonymisierten Datensatz erhalten. Nur dann können sie Alternativen im oder zum Morbi-RSA entwickeln, die einen fairen Wettbewerb zwischen den Kassen ermöglichen.

Lesen Sie hier Informationen zu unseren weiteren Forderungen zur Reform des Morbi-RSA.