IM FOKUS: Morbi-RSA

Unsinnige Subventionierung günstiger Zusatzbeiträge durch andere Kassen beenden. Daher: Reduktion des Einkommensausgleiches beim Zusatzbeitrag

21.11.2018

1

 

 

Versicherte – ab 2019 auch die Arbeitgeber – zahlen den individuellen Zusatzbeitrag an „ihre Kasse“, damit diese die von ihnen erwartete Leistung erbringen kann. Was kaum einer weiß: Auch der Zusatzbeitrag wird von der Kasse zunächst an den Gesundheitsfonds abgeführt. Über einen Mechanismus werden die Finanzmittel von dort dann wieder an die Krankenkassen zurück verteilt – allerdings nicht in der Höhe, die sie ursprünglich beim Gesundheitsfonds abgeliefert hat.

Der Grund: Seit 2015 findet ein vollständiger Einkommensausgleich statt. Das bedeutet, dass die Krankenkasse nur auf Basis des durchschnittlichen Einkommens aller GKV- Versicherten Mittel aus dem Gesundheitsfonds zugewiesen bekommt. Eine Kasse, die Versicherte mit überdurchschnittlichen Einkommen betreut, erhält also weniger zurück, als sie bei einem direkten Zufluss über den Zusatzbeitragssatz erhalten hätte. Eine Kasse mit weniger gutverdienenden Versicherten erhält gegebenenfalls mehr, als sie über ihren Zusatzbeitragssatz erhalten hätte. Damit soll vermieden werden, dass eine Krankenkasse nur deshalb einen höheren Zusatzbeitrag erheben muss, weil ihre Mitglieder ein geringeres beitragspflichtiges Einkommen haben.

Die Idee ist grundsätzlich richtig, denn Solidarität ist ein wichtiges und tragendes Grundprinzip der gesetzlichen Krankenversicherung. An dieser Stelle wird sie jedoch ins Gegenteil verkehrt: Krankenkassen, die z.B. in Ballungsgebieten die – dort vergleichsweise teure –  Versorgung organisieren, müssen ihre Mitglieder mit überdurchschnittlichen Zusatzbeitragssätzen besonders stark belasten: Denn die in Städten eher höheren Einkommen der Versicherten kommen wie beschrieben der Krankenkasse nicht zugute und reichen dann ggf. nicht aus, um die Kosten für die Versorgung zu decken. Das kann eine Kasse dazu zwingen, die Preisschraube noch einmal hoch zu drehen. Eine fatale Negativspirale entsteht, wenn die Versicherten dann zu günstigeren Kassen abwandern. Dagegen fließen die über den Zusatzbeitrag erhobenen Finanzmittel teilweise in die Subventionierung jetzt schon besonders günstiger Beitragssätze anderer Krankenkassen. Dies vor allem dann, wenn ihre Versicherten wenig verdienen und die Kasse wegen einer günstigen Versorgungsstruktur wenig Ausgaben hat.

Lösung:

Wir fordern: Muss eine Krankenkasse einen Zusatzbeitrag über dem durchschnittlichen Zusatzbeitrag erheben, erfolgt für den übersteigenden Anteil kein Einkommensausgleich. So wird sichergestellt, dass die von Versicherten und Arbeitgebern bezahlten überdurchschnittlichen Zusatzbeiträge für die Versorgung der Versicherten dieser Kasse verwendet werden können. Andernfalls fließt Geld statt in die Versorgung in die Subventionierung günstiger Beiträge anderer Kassen.

Lesen Sie hier Informationen zu unseren weiteren Forderungen bezüglich einer Reform des Morbi-RSA