IM FOKUS: Morbi-RSA

Up-coding: Der Morbi-RSA lädt zur Optimierung zulasten Anderer ein

23.07.2018

2

Manipulationen bei den Diagnosen sind ein lohnendes Geschäft – und bleiben es, wenn der Morbi-RSA nicht reformiert wird.

Seit Jahren ist bekannt, dass Krankenkassen auf die ärztlichen Diagnosen Einfluss nehmen, um höhere Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds zu erhalten. Das Bundesversicherungsamt hat bereits Strafzahlungen verhängt. Ein Ende der Skandale ist kaum abzusehen, wenn das System nicht grundlegend geändert wird.

Diagnosen des Arztes sind die Basis für Zuweisungen aus dem Morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA). Unterschiedliche Diagnosen lösen unterschiedlich hohe Zuweisungen über den Morbi-RSA aus.

Seit 2016 ist bekannt, dass Kassen Ärzte beeinflussen, Patienten auf dem Papier künstlich kränker zu machen. Dafür erhalten die Krankenkassen dann mehr Geld aus dem Ausgleichstopf. Die Zahl der manipulierten Diagnosen ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Die Patienten selbst bleiben vollkommen ahnungslos. Es profitieren die Ärzte und die Krankenkassen, die so agieren. Der Risikostrukturausgleich folgt damit allem, nur nicht der tatsächlichen Morbidität.

Das Beispiel Adipositas macht deutlich, wie diese Manipulation wirkt: . Im März 2012 wurde bekannt gegeben, dass Adipositas zu den im Finanzausgleich berücksichtigten Krankheiten gehören wird. In den folgenden drei Jahren steig die Zahl der Adipositas-Diagnosen in Deutschland sprunghaft an: Waren es zu Beginn des Jahres 2012 noch etwa 750.000, meldeten die Kassen für 2015 über 1,8 Millionen Fälle. Der Anstieg bedeutet nicht, dass die Versicherten in diesem Maße auch tatsächlich kränker geworden wären.

Der Versicherte ist unter Umständen der Dumme des Up-codings: Er erfährt davon erst, wenn es zu spät ist. Lebens-, genauso wie Erwerbs- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen, die den Gesundheitszustand eines Antragsstellers berücksichtigen, fordern höhere Prämien als notwendig oder verweigern den Versicherungsschutz gänzlich.