Andere Länder und Gesundheitssysteme machen positive Erfahrungen mit Ersteinschätzungsinstrumenten. Sie zeigen: Eine strukturierte Ersteinschätzung kann verkrustete Strukturen durchbrechen und den Zugang zum Gesundheitssystem erleichtern, wenn sich weitere Strukturreformen anschließen. Für Patient:innen bedeutet das eine zügigere Versorgung und mehr Orientierung im Versorgungsprozess.

Wir leisten uns ein teures Gesundheitssystem, das Patient:innen in entscheidenden Momenten allein lässt, Kapazitäten überlastet und im internationalen Vergleich durch eine überraschend niedrige Lebenserwartung auffällt. Das System versagt an mehreren Stellen: Hochspezialisierte Ressourcen werden ineffizient genutzt, Gerangel zwischen den Sektoren blockiert eine bedarfsgerechte Versorgung, und Multimorbidität trifft auf Strukturen, die weder vernetzt noch patientenzentriert sind. Der Status quo ist ein Flickenteppich aus langen Wartezeiten auf Arzttermine, fehlender Koordination und überfüllten Notaufnahmen.
Um hier gegenzusteuern, brauchen wir einen neuen Ansatz: eine sektorenübergreifende Patientensteuerung, die den Behandlungsbedarf einschätzt und schnell für einen Termin sorgt, wenn nötig. Die darüber hinaus leitet, informiert, begleitet und befähigt – von Selbstbehandlung durch Gesundheitskompetenz über weitere Patientenedukation bis hin zur gezielten Steuerung in die richtige Versorgungsebene. Dieser neue Ansatz muss mit durchgreifenden Strukturreformen einhergehen, die das gesamte System und die ambulante Versorgung im Besonderen adressieren. Internationale Best Practices zeigen, wie das aussehen kann.
Der BKK Dachverband unterbreitet folgende Lösungsvorschläge:
- Fairer Zugang statt Zufall: Standardisierte, digital gestützte Ersteinschätzung für alle neuen Behandlungsfälle und Termine nach Dringlichkeit in der jeweils geeigneten Versorgungsebene.
- Ein Algorithmus für alle – Vertrauen durch Evidenz.
- Smart gesteuert, individualisiert begleitet: Die Ersteinschätzung wird neu gedacht und dient als essenzielle Unterstützung entlang des Versorgungspfads.
- Ersteinschätzung als Brücke zur interdisziplinären Primärversorgung mit Pflegeexpert:innen als tragende Säule der Versorgung.
- Wissen statt Wartezimmer – professionell unterstütztes Selbstmanagement und Selbstwirksamkeit als Systemstrategie.
- Finanzierung mit Verantwortung: kein Fass ohne Boden.
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