Gesundheit entsteht im Alltag – in Kitas, Schulen, Betrieben, Pflegeeinrichtungen oder in Sportvereinen. Natürlich ist medizinische Versorgung wichtig. Doch entscheidend für unsere Gesundheit sind neben dem eigenen Lebensstil auch die Bedingungen, unter denen wir aufwachsen und leben: soziale Beziehungen, Bildungschancen, Umweltqualität und Teilhabe. Die Chancen, das Leben gesünder und lebenswerter zu gestalten, liegen daher im Alltag. Genau hier setzen Gesundheitsförderung und Prävention in Lebenswelten an – und gehen weit über die reine Vermittlung gesunder Verhaltens- und Lebensweisen hinaus. Gesundes Verhalten entsteht nicht durch Appelle, sondern durch Umgebungen, die es ermöglichen und erleichtern – Gesundheit beginnt dort, wo das Leben spielt. Lebenswelten können zu Orten werden, an denen Gesundheit selbstverständlich ist: Durch Bewegungsangebote in Schulen, gesunde Mahlzeiten in Kitas, sichere Schulwege oder wohnortnahe Grünflächen. Gesundheitsförderung und Prävention wirken, wenn sie im Alltag verankert sind. Vor Ort und in gesundheitsförderlichen Aktivitäten geht es darum, Ressourcen von Menschen zu stärken und Strukturen zu schaffen, die gesunde Entscheidungen fördern. Wenn wir Lebenswelten gesund gestalten, schaffen wir nicht nur mehr Lebensqualität, sondern auch mehr Gesundheitsgerechtigkeit.

Gesundheit ist ungleich verteilt
Verschiedene Einflussfaktoren tragen zur wachsenden gesundheitlichen Ungleichheit in der Bevölkerung bei. Häufig sind diese Unterschiede sozial bedingt und hängen mit konkreten Lebensbedingungen zusammen: Mit dem sozialen Status, der Herkunft oder dem Wohnort.
Diese Ungleichheit zeigt sich zum Beispiel konkret darin, dass Menschen mit geringem Einkommen oft in belasteten Wohnlagen leben, stärkeren Umweltfaktoren ausgesetzt sind oder einen schlechteren Zugang zu gesundheitsfördernden Angeboten haben. Solche strukturellen Unterschiede sind vermeidbar. Ein gesundes Leben darf kein Privileg sein.
Mit ihren Aktivitäten im Bereich Gesundheitsförderung und Prävention setzen sich die Betriebskrankenkassen dafür ein, diese Ungleichheiten zu verringern und echte Teilhabe zu ermöglichen. Das gelingt durch unterstützende Strukturen und niedrigschwellige, lebensnahe Angebote, die an den realen Lebenssituationen der Menschen ansetzen. Wir wollen nicht nur Wissen vermitteln, sondern Rahmenbedingungen mitgestalten, die gesunde Entscheidungen erleichtern. Die gesunde Wahl wird zur einfachen Wahl, wenn wir das möglich machen. Unser Engagement gilt einem ganzheitlichen Ansatz, der Gesundheit früh fördert und langfristig sichert. Für gesundheitliche Chancengleichheit und mehr Lebensqualität in allen Lebenswelten.
Gemeinsam aktiv - bundesweit und vor Ort
Als Teil des GKV-Bündnisses für Gesundheit engagieren wir uns bundesweit in kassenarten-übergreifenden Projekten und Programmen [siehe GKV-Bündnis für Gesundheit]. Darüber hinaus setzen wir eigene BKK-Initiativen um.
Das Engagement der Betriebskrankenkassen im Bereich Prävention in nicht-betrieblichen Lebenswelten
Als BKK Dachverband unterstützen wir das vielfältige Engagement der Betriebskrankenkassen und BKK Landesverbände in Gesundheitsförderung und Prävention. Das BKK System fördert gezielt Präventionsangebote und verankert sie dort, wo sie im Alltag der Menschen am meisten Wirkung entfalten können – in Kitas, Schulen, Kommunen oder Pflegeeinrichtungen. Dank ihrer regionalen Verankerung, ihrer Kooperationen und der Zusammenarbeit mit lokalen Partnerinnen und Partnern sowie ihrer langjährigen Erfahrung sind die Betriebskrankenkassen für die Umsetzung von Präventionsmaßnahmen besonders geeignet. Das präventive Angebot reicht dabei von frühkindlicher Förderung bis zur Begleitung im hohen Alter. In mehr als 100 Projekten bundesweit stehen Themen wie psychische und planetare Gesundheit, Bewegung oder gesunde Mediennutzung im Fokus, um nur einige Bereiche zu nennen.

Die Betriebskrankenkassen gestalten diese gesundheitsfördernden Räume aktiv mit. Ziel ist es, Gesundheit und Lebensqualität der Bevölkerung über die gesamte Lebensspanne zu stärken. Dazu begleiten sie Akteurinnen und Akteure bei der Gestaltung gesundheitsförderlicher Lebenswelten und unterstützen sie bei der Umsetzung wirkungsvoller Präventionsmaßnahmen.
Die verschiedenen Präventionsprojekte auf einen Blick
Einen Ein- und Überblick in die gemeinsamen Präventionsaktivitäten der Betriebskrankenkassen und ihrer Landesverbände erhalten Sie unten in der Liste - eine genauere Beschreibung der Projekte erhalten Sie über einen Klick auf das “+”-Zeichen. Darüber hinaus setzen viele Betriebskrankenkassen weitere eigene Projekte um, die hier nicht abgebildet sind. Informationen dazu finden Sie auf den jeweiligen Webseiten der Krankenkassen oder der Landesverbände.











Die Freude an einer gesunden Lebensweise sollte so früh wie möglich geweckt werden. „Fit von klein auf“ heißt die bundesweite Gesundheitsinitiative der Betriebskrankenkassen, die alle Beteiligten in der Kita einbezieht.
Das Programm bietet Maßnahmen, mit denen das Wohlbefinden von Kindern, Familien und pädagogischen Fachkräften wirkungsvoll gestärkt wird. Von Bewegung, Entspannung, Ernährung, Klimabewusstsein oder Resilienzstärkung – all diese wichtigen Kompetenzen werden in den Blick genommen.
Mehr Informationen finden Sie unter www.fitvonkleinauf.de/
Auch Kinder verbringen heute viel – manchmal viel zu viel – Zeit mit dem Handy, vor dem Fernseher oder dem Tablet. ECHT DABEI möchte Kinder gesund aufwachsen lassen im digitalen Zeitalter und sensibilisiert ihr Umfeld für den Schutz vor Medienrisiken. Das Programm fördert die Medienmündigkeit der Kinder und verknüpft Medienerziehung und -bildung mit Gesundheitsförderung. Es legt bereits bei den Kleinsten die Basis für eine selbstbestimmte und verantwortungsbewusste Mediennutzung.
Mehr Informationen finden Sie unter www.echt-dabei.de/
Unsere Kinder werden vom Klimawandel am stärksten betroffen sein und sind zugleich die Gestalter der Zukunft von Morgen.
Das Präventions- und Nachhaltigkeitsprojekt “BLUE MARBLE HEALTH KIDS” vermittelt Kindern ein Bewusstsein für einen gesunden, nachhaltigen sowie klima- und umweltschonenden Lebensstil. Ziel ist es, die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen.
Mehr Informationen finden Sie unter www.bluemarblehealth.de/kids/
Jede und jeder 6. Jugendliche hat bereits Mobbing in der Schule erlebt. Wöchentlich sind in Deutschland rund 500.000 Schülerinnen und Schüler davon betroffen. Mobbing-Betroffene haben ein erhöhtes Risiko für psychosomatische und körperliche Beschwerden, psychische Erkrankungen wie Depressionen oder selbstverletzendes Verhalten bis hin zu Suizidalität. „Tom Lehel’s WIR WOLLEN MOBBINGFREI!!“ klärt über (Cyber)Mobbing auf und steigert die Handlungsfähigkeit von Schülerinnen, Schülern, Lehrenden und Eltern. Es ist das erste evidenzbasierte, umfassende Anti-Mobbing-Präventionsprogramm für Grundschulen in Deutschland.
Mehr Informationen finden Sie unter www.wirwollenmobbingfrei.com/
Im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) stärkt „Blue Marble Health TEENS“ die Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern mittels einer vierteiligen Unterrichtsreihe, sodass diese ein Bewusstsein für einen gesunden, klima- und umweltschonenden Lebensstil entwickeln sowie die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt verstehen.
Herzstück von „Blue Marble Health TEENS“ ist die interaktive Begleit-App mit Erklärvideos, Konsum- und Verhaltenstipps, Tages- und Wochenaufgaben für den Alltag sowie Rezeptvorschlägen.
Mehr Informationen finden Sie unter www.bluemarblehealth.de/
Bauchgefühl ist eine bundesweite Initiative der Betriebskrankenkassen, die Schülerinnen und Schüler für das Thema Essstörungen sensibilisiert. Seit 2008 unterstützt das Projekt mit Lehrmaterialien Schulen der Sekundarstufe 1 und Berufskollegs dabei, frühzeitig über Essstörungen aufzuklären und durch Stärkung der Lebenskompetenzen vorzubeugen.
In einer Fortbildung werden Lehrkräfte umfassend über die verschiedenen Essstörungsformen und den Umgang mit gefährdeten und bereits betroffenen Schülerinnen und Schülern informiert. Die Autorin und Bloggerin Jana Crämer unterstützt die Initiative zusammen mit dem Künstler Batomae. Gemeinsam führen sie Konzert-Lesungen an Schulen durch. Jana erzählt als Betroffene der Binge-Eating-Störung von ihrer Erkrankung und ermutigt die Jugendlichen, sich selbst und ihren Körper anzunehmen.
Mehr Informationen finden Sie unter www.konzertlesungen.de/
Hintergrund des Projektes You!Mynd sind die Zunahme psychosozialer Belastungen und die damit assoziierten Erkrankungen bei Auszubildenden sowie die hohe Quote von rund 26 Prozent vorzeitig aufgelöster Ausbildungsverträge.
Das Projekt basiert auf einem wissenschaftlich fundierten, speziell auf Berufsschulen zugeschnittenen Präventionskonzept zur Stärkung individueller Bewältigungskompetenzen. Im Mittelpunkt stehen dabei fünf Kompetenzbereiche: Selbstbewusstsein, Selbstorganisation, Sozialkompetenz, Stressregulation und Suchtkompetenz.
Um Schülerinnen und Schüler dabei zu unterstützen, die Herausforderungen im Berufsschulalltag stressfreier zu meistern, werden auch Lehrende und Schulleitungen aktiv eingebunden und betreut. Für die Betriebskrankenkassen können gegebenenfalls sogar BGF-Maßnahmen in Unternehmen mit einem Lebensweltenangebot in den passenden Berufsschulen gekoppelt werden.
Mehr Informationen finden Sie unter www.youmynd.de/
Viele pflegebedürftige Menschen werden in stationären Pflegeeinrichtungen betreut. Ihre Gesundheitspotenziale verdienen besondere Aufmerksamkeit und sollten gezielt unterstützt werden. Die Interaktion mit Clowns ermöglicht den Bewohnerinnen und Bewohnern die soziale Teilhabe und stärkt die psychosoziale Gesundheit von Menschen mit Demenz. Durch diese Maßnahmen werden sie wacher und können mehr am täglichen Leben teilnehmen. Die kontinuierlichen Besuche der Clowns lösen positive Emotionen aus und geben ein Gefühl von Wertschätzung.
Mehr Informationen finden Sie unter www.rotenasen.de/ und
Unter Förderung des BKK Dachverbands verfolgt das Projekt HIGELA („Hitzeresiliente und Gesundheitsfördernde Lebens- und Arbeitsbedingungen in der stationären Pflege“) das Ziel, Einrichtungen fit für zunehmende Hitzeperioden zu machen. Im Fokus stehen dabei die Mitarbeitenden als auch Bewohnenden von stationären Pflegeeinrichtungen. Im Projekt wurden unter anderem Schulungen zu unterschiedlichen hitzerelevanten Themen, wie Ernährung, Bekleidung etc. durchgeführt als auch Hitzeschutz-Pläne entwickelt. Projektträger sind der AWO Bundesverband e.V. gemeinsam mit der Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V. (KLUG).
Mehr Informationen finden Sie unter www.higela.de/
Das Projekt KidZ – Köstlich und Lecker in die Zukunft richtet sich an Küchenmitarbeitende in Pflegeeinrichtungen. Ziel ist, die Verpflegung der Bewohnenden sowohl aus gesundheitlicher als auch ökologischer Perspektive zu verbessern. Gefördert wird eine ausgewogene, saisonale und regionale Ernährung, die Lebensmittelverschwendung reduziert und den Einsatz umweltschonender Produkte stärkt. Im Mittelpunkt stehen Schulungen des Küchenpersonals, das Erproben neuer Rezepte sowie die Einführung energiesparender Arbeitsabläufe. Unter der Förderung des BKK Dachverbands wird das Projekt vom AWO Bundesverband e.V. gemeinsam mit der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V. (KLUG) durchgeführt.
Mehr Informationen finden Sie unter www.awo.org/projekt/vollwertig-nachhaltig-lecker/
Warum Prävention in nicht-betrieblichen Lebenswelten politisches Handeln braucht
Deutschland verfügt über eines der besten Gesundheitssysteme weltweit und ist bekannt für seine Spitzenmedizin. Dennoch stellt sich die Frage: Warum werden Menschen trotz medizinischen Fortschritts nicht dauerhaft gesünder?
Die Realität zeigt ein klares Bild: Die Zahl chronischer und lebensstilbedingter Erkrankungen wie beispielsweise Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychische Leiden steigt kontinuierlich. Diese nicht-übertragbaren Krankheiten (NCD) machen einen Großteil der Kosten in unserem Gesundheitssystem aus und verursachen laut Robert-Koch-Institut sogar über 90 Prozent aller Todesfälle in Deutschland. Dabei wird Multimorbidität – also das gleichzeitige Auftreten mehrerer chronischer Erkrankungen – zur gesundheitlichen und finanziellen Herausforderung. Darüber hinaus ist die Lebenserwartung in Deutschland erstmals unter den EU-Durchschnitt gesunken. Laut aktuellen OECD-Daten liegt sie derzeit bei 81,2 Jahren und ist im Vergleich zu 2019 um rund 0,7 Jahre niedriger. Auch bei der Frage, wie viele Jahre Menschen im Alter in Gesundheit verbringen können, schneiden andere Länder besser ab. Hinzu kommen die wachsenden finanziellen Belastungen des Gesundheitssystems und der demografische Wandel.
Unser Gesundheitssystem legt den Schwerpunkt stärker auf die Behandlung bestehender Erkrankungen als auf deren präventive Vermeidung. Die beschriebenen Entwicklungen sind zum Teil vermeidbar und zeigen: Medizinischer Fortschritt allein reicht nicht. Wir greifen oft erst ein, wenn Menschen bereits krank sind, statt dort anzusetzen, wo Gesundheit entsteht – im Alltag und in den Lebenswelten der Menschen. Prävention in Lebenswelten ist deshalb keine Option im Sinne von „Nice-to-have“, sondern eine politische Notwendigkeit, um das Gesundheitssystem zu entlasten. Denn auch das gesundheitsökonomische Potenzial von Prävention wird noch immer unterschätzt. Neben direkten Behandlungskosten entstehen indirekte Belastungen durch Frührenten, Krankheitstage und Produktivitätsverluste, die vermeidbar wären.
Die gute Nachricht ist: Das Potenzial von Gesundheitsförderung und Prävention ist nach wie vor groß, denn es ist noch weitgehend ungenutzt. Eine stärkere Priorisierung der Prävention ist daher ein zentraler Bestandteil der Lösung für die Herausforderungen des Wohlfahrtsstaates und des Gesundheitssystems der Zukunft.
Wirksame Maßnahmen in Kitas, Schulen, Betrieben und Pflegeeinrichtungen können nicht nur Krankheiten verhindern, sondern auch den Druck auf das System nachhaltig senken. Dafür braucht Prävention nicht nur gezieltes Engagement vor Ort und Partizipationsmöglichkeiten, sondern auch politische Rahmenbedingungen, die gesundheitsförderliches Verhalten erleichtern und strukturell unterstützen. Erst im Zusammenspiel entfalten sie ihre volle Wirkung für die Gesundheit der Bevölkerung.
Gesundheit ist Teamarbeit - auch politisch
Wir brauchen eine Politik, die Gesundheit nicht nur im Gesundheitsministerium denkt, sondern überall: In der Bildung, der Stadtplanung, im Verkehr oder in der Umweltpolitik – Health in All Policies! Gesundheitsförderung und Prävention sollten nicht als isolierte Aufgabe des Gesundheitswesens, sondern als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden. Die Ottawa-Charta hat diesen Gedanken bereits 1986 formuliert – heute und nach der COVID-19-Pandemie ist dieser Ansatz aktueller denn je. Nur wenn Gesundheit als gemeinsame Verantwortung und im Sinne des Vorsorgeprinzips als Priorität in der Gesundheitsversorgung verstanden wird, lassen sich krankmachende Verhältnisse verändern und Strukturen schaffen, die Menschen stärken und eine insgesamt resilientere Gesellschaft fördern. Dafür braucht es ein klares politisches Bekenntnis und verbindliches Handeln.
Mit dem Präventionsgesetz von 2015 wurde ein klares Ziel formuliert: Gesundheitsförderung und Prävention stärker im Gesundheitssystem zu verankern. Seitdem bestehen insbesondere für die gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherungen wichtige Strukturen. Jedoch sind viele Akteure immer noch nicht systematisch eingebunden und es fehlen weiterhin verbindliche Regelungen, auch in finanzieller Hinsicht. Damit Prävention wirksam und systemübergreifend gelingt, braucht es klarere Verantwortlichkeiten, langfristige Lösungen und eine gesetzlich verankerte Mitwirkung aller relevanten Stakeholder – etwa durch eine kommunale Gesundheitsförderung mit dauerhaftem Auftrag und Budget.
Darüber hinaus sollte die Vermeidung von Erkrankungen auch im Sozialgesetzbuch wichtiger sein als die solidarische Begleichung von Krankheitskosten. Das müsste sich auch bei der Vergabe von finanziellen Mitteln widerspiegeln. Und damit Prävention nicht weiter in isolierten Silos stattfindet, sondern systemübergreifend gedacht und umgesetzt wird, muss die Zusammenarbeit zwischen den Sozialgesetzbüchern – insbesondere SGB V, IX und XI – deutlich besser verzahnt werden.
Der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) ist das Rückgrat der gesundheitlichen Versorgung und Prävention, insbesondere auf kommunaler Ebene. Mit dem Pakt für den ÖGD haben Bund und Länder 2020 ein starkes Signal gesetzt: Der Dienst soll personell, digital und strukturell gestärkt werden. Dieses Versprechen muss eingelöst und weiterentwickelt werden. Denn Kommunen brauchen mehr Handlungsspielräume und Ressourcen, um niedrigschwellige, zielgruppenspezifische Präventionsangebote umzusetzen, insbesondere in sozial benachteiligten Regionen.
Daten nutzen, Wirkung evaluieren, lernen. Evaluationen sind kein Selbstzweck, sondern das Instrument zur Qualitätssicherung und Weiterentwicklung gesundheitsfördernder Maßnahmen. Sie ermöglichen fundierte Aussagen über Wirksamkeit und helfen, Angebote gezielt an die Bedingungen der jeweiligen Lebenswelt anzupassen. Dafür sind unter anderem messbare Indikatoren, eine lebensweltbezogene Zieldefinition und die Einbindung der Zielgruppe relevant. Evaluation wird als lernender Prozess verstanden, der kontinuierlich verbessert wird.Dafür benötigen wir eine digitale Infrastruktur, die Gesundheitsdaten sicher und sinnvoll nutzbar macht. Alle analogen Prozesse müssen auch digital erledigt werden können.
Damit Präventionsmaßnahmen ihre volle Wirkung entfalten können, braucht es klare politische Unterstützung. Unsere Erfahrungen zeigen: Freiwillige Angebote allein reichen nicht. Es braucht eine breite gesellschaftliche Debatte darüber, wie regulatorische Ansätze, beispielsweise Werbebeschränkungen oder eine gezielte Preisgestaltung, dazu beitragen können, gesundheitsförderliches Verhalten zu erleichtern und strukturell zu unterstützen. Staatliche Regulierungen sind legitim, wenn sie nachweislich gesundheitliche Schäden begrenzen – das belegen zahlreiche Studien. Gleichzeitig braucht es eine Umverteilung von Mitteln. Weg von einer rein kurativen Versorgung, hin zu dauerhaft finanzierten präventiven Strukturen. Nur so kann Prävention systematisch wirken und nicht als punktuelle Maßnahme im Schatten kommerzieller Interessen verbleiben.
(Digitale) Gesundheitskompetenz (health literacy) ist eine zentrale Voraussetzung für bedarfsgerechte Versorgung – insbesondere bei chronischen Erkrankungen. Wer verlässliche Informationen und digitale Angebote findet, versteht und anwenden kann, trifft in der Regel bessere Entscheidungen, beugt meist gezielt vor und nutzt vorhandene Angebote sinnvoll. Das schützt nicht nur die eigene Gesundheit, sondern entlastet vor allem auch das Gesundheitssystem. Die beste Behandlung ist die, die nicht stattfinden muss. Damit (digitale) Gesundheitskompetenz ihre volle Wirkung entfalten kann, muss sie jedoch frühzeitig und lebensbegleitend gefördert werden. Idealerweise bereits in der Schule. Und hier haben wir dringenden Nachholbedarf. Insbesondere im Gesundheitsbereich können Fehlinformationen gravierende und im negativen Sinn nachhaltige Folgen haben. Kinder und Jugendliche, die digitale Inhalte kritisch bewerten und in ihr Handeln übersetzen können, sind besser geschützt und es fällt ihnen leichter, gesundheitsförderliche Routinen zu entwickeln. Gesundheitskompetenz trägt zudem zum Bildungserfolg bei und stärkt die Selbstbestimmung.
Damit dies gelingt, ist auch ein gesundheitsförderliches Handeln von Organisationen wichtig. Sie können dazu beitragen, indem sie Informationen verständlich aufbereiten, die Entwicklung von (digitaler) Gesundheitskompetenz unterstützen und Rahmenbedingungen schaffen, die gesundes Verhalten erleichtern.
Weiterführende Links zu Gesundheitsförderung und Prävention in nicht-betrieblichen Lebenswelten
Das GKV-Bündnis für Gesundheit ist eine gemeinsame Initiative der gesetzlichen Krankenkassen zur Unterstützung von Aktivitäten zur Gesundheitsförderung und Prävention in den Lebenswelten. Bundesweite sowie landesspezifische beziehungsweise regionale Projekte des Bündnisses finden Sie hier: GKV-Bündnis für Gesundheit
Der bundesweite Kooperationsverbund Gesundheitliche Chancengleichheit wurde vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (ehemals Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) ins Leben gerufen. Hier arbeiten 76 Partnerorganisationen zusammen. Zentrales Ziel ist die Verbreitung von Best Practices für Aktivitäten zur Gesundheitsförderung und Prävention bei sozial benachteiligten Gruppen. Kooperationsverbund Gesundheitliche Chancengleichheit
Mit dem Präventionsgesetz wurde die Nationale Präventionskonferenz (NPK) ins Leben gerufen. Hier arbeiten die Spitzenorganisationen der gesetzlichen Sozialversicherungen mit weiteren Akteuren zusammen. Die NPK entwickelte eine nationale Präventionsstrategie, die kontinuierlich fortgeschrieben wird, um Gesundheitsförderung und Prävention in Deutschland weiterzuentwickeln. Nationale Präventionskonferenz
Der GKV-Leitfaden Prävention bildet die Grundlage für die Förderung beziehungsweise Bezuschussung von Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Prävention. Er wird vom GKV-Spitzenverband in Zusammenarbeit mit den Kassenartenverbänden auf Bundesebene jährlich weiterentwickelt. Der Leitfaden umfasst die inhaltlichen Handlungsfelder und Qualitätskriterien für Leistungen der Krankenkassen in der Primärprävention und Gesundheitsförderung. GKV-Leitfaden Prävention (barrierefreies Dokument)
Der GKV-Präventionsbericht gibt einen Überblick über die Aktivitäten der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen im Bereich Gesundheitsförderung und Prävention. Er zeigt unter anderem die Anzahl der erbrachten Leistungen, erreichte Zielgruppen sowie thematische Schwerpunkte und eingesetzte finanzielle Mittel für das jeweilige Berichtsjahr. Herausgeber sind der Medizinische Dienst Bund sowie der GKV-Spitzenverband unter Mitarbeit der Kranken- und Pflegekassen auf Bundesebene. GKV-Präventionsbericht (barrierefreies Dokument)

Kontakt
Verena Eustermann
Referentin Gesundheit und Prävention in Lebenswelten
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