Agenturmeldungen

Kassenärzte: «Digitalisierung backt keine Arztzeit»

12.04.2018

Berlin (dpa) - Die Kassenärzte erwarten Erleichterungen für Patienten

durch neue digitale Angebote in den Praxen - aber kaum zusätzliche

Behandlungszeit. «Die Digitalisierung hat natürlich Möglichkeiten»,

sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas

Gassen, der Deutschen Presse-Agentur. Sie könne etwa Zugriffe auf

Daten und Werte beschleunigen, wenn Patienten mit kontinuierlicher

Blutzuckermessung ihre Angaben einmal die Woche zum Arzt senden.

«Aber Digitalisierung backt keine Arztzeit. Man wird nur in sehr

begrenztem Umfang mehr Luft für andere Aufgaben schaffen können.»

 

Ein digitales Röntgenbild könne man per E-Mail verschicken, sagte

Gassen. «Aber angucken muss es sich der Arzt ja trotzdem noch.»

Einsetzbar seien viele Anwendungen zudem nur, wenn die technischen

Rahmenbedingungen vorhanden seien. Zum Versenden des Befunds einer

Magnetresonanztomographie (MRT) von Gewebe oder Organen sei zum

Beispiel schnelles Internet erforderlich, wie es in großen Städten

verfügbar sei. «Aber in ländlichen Regionen haben wir überhaupt nicht

die Voraussetzungen, um Telemedizin in großem Maßstab zu machen.»

 

Natürlich gebe es auch Fragen, in denen man Patienten für kurze

Rücksprachen den einen oder anderen Praxisbesuch erübrigen könne.

«Das passiert ja auch schon - das Telefon ist vor einer Weile

erfunden worden», sagte Gassen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn

(CDU) hatte unter anderem für neue digitale Angebote geworben, um

überfüllte Praxen zu vermeiden. Kleine Fragen ließen sich auch online

unkompliziert klären. Wartezimmer würden leerer, und es wäre damit

mehr Zeit für aufwendigere Fälle, argumentierte Spahn.

 

Der KBV-Chef äußerte sich skeptisch zu generell mehr Fernbehandlungen

per Telemedizin. Noch eher unkritisch wäre es, wenn ein Arzt

Patienten kennt und schon direkt behandelt hat. «Da könnte man

manches umfassender als bisher per Telefon machen.» Aber

grundsätzlich sei persönlicher Kontakt wichtig, also Patienten bei

Untersuchungen auch anfassen oder etwa auf Gerüche achten zu können.

«Es wäre schwierig, wenn es Skype-Doktoren gäbe, mit denen Patienten

nur über das Internet und mit hingehaltener Kamera Kontakt haben.»

 

Mit Blick auf eine neue elektronische Patientenakte, die nach Plänen

der Bundesregierung bis 2021 eingeführt werden soll, sagte Gassen:

«Der Patient sollte seine elektronische Akte kennen und darauf

Zugriff haben - auch zu Hause.» Charmant wäre gewesen, dies auf die

elektronische Gesundheitskarte zu legen und per Geheimnummer abrufbar

zu machen. In der jetzigen Form der Karte ginge es aber technisch

nicht. «Da könnte man nicht einmal ein Röntgenbild abspeichern.»