Agenturmeldungen

Kinderärzte beklagen fehlende Zeit für psychosomatisch Erkrankte

22.06.2018

Kinder klagen etwa über Bauch- oder Kopfschmerzen, ohne dass es eine
organische Ursache gibt, haben Essstörungen oder ritzen sich: Das
kann durch Mobbing oder die Trennung der Eltern ausgelöst werden.
Kinderärzte schlagen Alarm: Ihnen fehle die Zeit für diese Patienten.

Berlin (dpa) - Die Behandlung psychosomatischer Erkrankungen bei
Kindern kommt aus Sicht von Kinderärzten in Deutschland oft zu kurz.
Die derzeit mehr als überlasteten Ärzte hätten kaum Zeit, um der
steigenden Zahl solcher Patienten nachhaltig zu helfen, sagte der
Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ),
Thomas Fischbach, am Freitag vor dem Beginn des 48. Kinder- und
Jugendärztetages in Berlin. Es geht etwa um Kopf- und Bauchschmerzen,
gestörtes Essverhalten oder Ritzen. Solche Probleme erforderten Zeit
für Gespräche mit Familien, aber etwa auch für Fortbildungen.

Dem Verband zufolge ist das Bewusstsein für psychosomatische
Beschwerden bei Eltern wie Ärzten - und damit das Arbeitsaufkommen -
gewachsen, eine tatsächliche Zunahme solcher Störungen bei Kindern
ist jedoch nicht nachgewiesen. Psychische Auffälligkeiten zeigt einer
Untersuchung zufolge seit Jahrzehnten konstant etwa jedes fünfte
Kind. Davon hat aber nur ein Bruchteil Kontakt zu Psychologen oder
Psychotherapeuten. Als Gründe dafür sehen Fachleute zum Beispiel
Versorgungslücken und Unsicherheiten der Eltern.

Um die Versorgung betroffener Kinder zu sichern, forderte Fischbach
von der Politik unter anderem neue Kassensitze in schlecht versorgten
Gebieten - in Städten ebenso wie auf dem Land. Zudem müsse der
«ausufernde Bürokratiewahn», der einen Großteil der Arbeitszeit und
-kraft fresse, ein Ende finden. Dem Verband gehören etwa 12 000
Kinderärzte in Deutschland an.