Agenturmeldungen

Spahn kündigt Gesetzesvorstoß zur Organspende an

01.06.2018

Kiel (dpa) - Mit einem Gesetzesvorstoß und einer breiten öffentlichen
Debatte will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die
Bereitschaft der Deutschen zur Organspende steigern. Jeder sollte
sich einmal im Leben der Thematik stellen und entscheiden, ob er im
Todesfall Organe spenden würde, sagte Spahn bei einem Besuch des
Universitätsklinikums Schleswig-Holstein am Freitag in Kiel. Dies sei
man den derzeit rund 10 000 Patienten schuldig, die in Deutschland
auf den Wartelisten für eine Transplantation stünden. Rund 40 Prozent
der Deutschen haben dem Minister zufolge einen Organspender-Ausweis,
84 Prozent begrüßen Umfragen zufolge die Option im Grundsatz. «Also,
da ist noch Potenzial», sagte Spahn. Am Samstag wird bundesweit der
Tag der Organspende begangen.

Spahn kündigte an, nach der Sommerpause im September einen
Gesetzesentwurf vorzulegen, um eine bessere finanzielle Ausstattung
der Kliniken zu erreichen. «Es soll kein Minusgeschäft sein», sagte
Spahn über die seiner Meinung nach unzureichende Vergütung für
Organentnahmen. Außerdem wolle er in dem Gesetz die Situation der
Transplantationsbeauftragten an den Kliniken verbessern. Sie müssten
genügend Zeit haben, um mit Angehörigen und Klinikleitung alle
wichtigen Fragen zu erörtern.

«Ob ich darüber hinaus einen Vorschlag mache, das lasse ich mir noch
offen bis September», sagte Spahn mit Blick auf die Diskussion über
die Einführung der sogenannten Widerspruchslösung oder einer
verpflichtenden Entscheidungslösung, wie sie Schleswig-Holsteins
Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) zuletzt vorgeschlagen hat.
Bislang muss sich niemand in Deutschland erklären, ob er zu einer
Organspende bereit ist oder nicht. In Ländern wie Frankreich, Italien
oder den Niederlanden gilt die Widerspruchslösung: Jeder Mensch ist
danach Organspender, es sei denn, er widerspricht ausdrücklich.