Agenturmeldungen

Streit um Homöopathie - Kritiker wollen Zusatzbezeichnung kippen

09.03.2018

Münster (dpa) - Im jahrelangen, emotional geführten Streit um die

Berechtigung der Homöopathie haben die Kritiker eine neue Attacke

vorgebracht. Sie möchten erreichen, dass Ärzte nicht mehr die

Zusatzbezeichnung «Homöopathie» auf dem Praxisschild führen dürfen.

 

Mit einer solchen Zusatzbezeichnung für Ärzte werde das

Patientenvertrauen untergraben. Denn der Titel gebe der

homöopathischen Lehre den Anstrich wissenschaftlicher Seriosität.

Tatsächlich handele es sich aber um eine «esoterische Heilslehre»,

erklärten die Kritiker rund um die Münsteraner Medizinethikerin

Bettina Schöne-Seifert am Freitag in Münster.

 

Die Kritikergruppe möchte, dass beim Ärztetag in Erfurt vom 8. bis

11. Mai die Weiterbildungsordnung so geändert wird, dass die

Zusatzbezeichnung nicht mehr vergeben wird. Der Zentralverein

homöopathischer Ärzte wies den Vorstoß zurück. Die Nachfrage nach

ärztlicher Homöopathie sei in den vergangenen 20 Jahren enorm

gestiegen, sagte die Verbandsvorsitzende Cornelia Bajic. Die

ärztliche Zusatzbezeichnung Homöopathie sei «ein Garant für eine gute

und sichere Versorgung der Patienten».

 

Der Homöopathie-Markt hat nach aktuellen Schätzungen des

Marktforschungsinstituts Insight Health bundesweit ein Umsatzvolumen

von etwa 600 Millionen Euro pro Jahr. Auf dem gesamten deutschen

Pharma-Markt wurden dagegen in Deutschland 2016 knapp 40 Milliarden

Euro umgesetzt. Trotz der überschaubaren wirtschaftlichen Bedeutung

gibt es um homöopathische Mittel und Behandlungsmethoden aber immer

wieder heftigen Streit.

 

Die Kritiker halten die Homöopathie schlicht für wirkungslos. Die

Arzneien würden so stark verdünnt, dass der Wirkstoff oft überhaupt

nicht mehr nachweisbar sei. Unwirksame Verfahren seien aber

unethisch. Sonst könnte man Ärzten nach entsprechender Weiterbildung

auch eine Zusatzbezeichnung «Gesundbeten» zubilligen, schreiben die

Münsteraner Kritiker. Es gebe hunderte Studien zur Homöopathie, sie

alle hielten ernsthaften wissenschaftlichen Anforderungen an die

statistische Beweisführung und Wiederholbarkeit aber nicht stand.

 

Anhänger der Homöopathie verweisen dagegen stets auf die Besserung

aus Sicht der Patienten in vielen Einzelfällen. Nicht umsonst würden

homöopathische Therapien von sehr vielen Krankenkassen erstattet.

Zudem sei die Homöopathie im Sozialgesetzbuch auch rechtlich

verankert. «Die von den Ärztekammern verliehene Zusatzbezeichnung

Homöopathie hat sich seit Jahrzehnten in der deutschen Ärzteschaft

bewährt. Immer mehr Ärzte führen sie, aktuell sind es rund 7000 Ärzte

unterschiedlicher Fachrichtungen», erklärte Bajic. Klinische

Forschungsdaten belegten sehr wohl den therapeutischen Nutzen.