Agenturmeldungen

Weitere Krankenkassen starten digitale Gesundheitsakte

05.06.2018

Bei Ärzten und Kliniken gibt es jede Menge Daten - von Röntgenbildern
bis zu Impfangaben. Seit langem laufen Bemühungen, Infos zum Nutzen
von Patienten zu verknüpfen. Die Palette der Anwendungen wird größer.

Berlin (dpa) - Mehr und mehr Krankenkassen starten digitale Angebote
mit Gesundheitsdaten - noch vor genauen Plänen der Bundesregierung
für eine elektronische Patientenakte. Mehrere gesetzliche und private
Kassen stellten am Dienstag eine gemeinsame App vor, über die etwa
Befunde, Laborwerte und Notfalldaten gespeichert und abgerufen werden
können. Hinter dem Angebot stehen Allianz, DAK-Gesundheit, Bahn BKK,
IKK Classic, Barmenia, Gothaer und Süddeutsche Krankenversicherung,
die insgesamt 25 Millionen Versicherte damit ansprechen könnten.

Anbieten wollen die ersten beteiligten Kassen die digitale Akte
namens «Vivy» ab Juli. Patienten können sie kostenlos und freiwillig
nutzen und selbst festlegen, welche Daten sie mit welchem Arzt teilen
wollen. Ziel ist unter anderem, Mehrfachbehandlungen zu reduzieren
und Medikamenten-Unverträglichkeiten leichter zu erkennen. Technisch
soll dies über Anbindungen an die Software von Praxen und Kliniken
laufen. Genutzt werden sollen nur Server in Deutschland.

Nach jahrelangem Gezerre um zusätzliche Funktionen der elektronischen
Gesundheitskarte will die Bundesregierung bei der Digitalisierung
vorankommen. Im Koalitionsvertrag ist vereinbart, bis 2021 eine
elektronische Patientenakte einzuführen. Gesundheitsminister Jens
Spahn (CDU) will Bürgern auch Angebote per Smartphone ermöglichen.
Zugleich soll aber der Aufbau eines sicheren Datennetzes für das
Gesundheitswesen mit der Gesundheitskarte fortgesetzt werden.

Die AOK und die Techniker Krankenkasse haben bereits eigene Angebote
für elektronische Gesundheitsakten vorgestellt, die anschlussfähig an
das einheitliche Datensystem sein sollen. Für das Projekt «Vivy» hob
die Chefin der Allianz Private Krankenversicherungs-AG, Birgit König,
das Ziel von mehr Vernetzung hervor: «Weg von Insellösungen, hin zu
offenen Schnittstellen.» Je mehr Patienten eine Plattform nutzten,
desto interessanter werde sie auch für Ärzte. DAK-Chef Andreas Storm
sagte, Patienten bekämen so erstmals ein Instrument, über ihre Daten
zu verfügen. Dies stärke ihre Selbstbestimmung im Versorgungsprozess.