Agenturmeldungen

Ärzte: Viele kleine Kinder daddeln am Handy

06.03.2017

Statt Bilderbüchern flimmernde Smartphones im Kinderzimmer - da
schrillen bei Kinderärzten die Alarmglocken. Schon für viele ganz
kleine Kinder ist das Handy einer Studie zufolge ein Spielzeug.

Weimar (dpa) - 70 Prozent der Kinder im Krippen- und Kita-Alter
nutzen Ärzten zufolge das Handy ihrer Eltern mehr als eine halbe
Stunde am Tag. Dies habe eine seit dem vergangenen Jahr laufende
Studie in Kinderarztpraxen zum Medienkonsum bei Ein- bis
Sechsjährigen ergeben, teilte der Berufsverband der Kinder- und
Jugendärzte (BVKJ) am Freitag zum Auftakt eines Kongresses in Weimar
mit. Für die Erhebung wurden bislang die Ergebnisse von mehr als 3000
Früherkennungsuntersuchungen bei Kindern und Befragungen von Eltern
ausgewertet.

Bei kleinen Kindern habe das Handy «eigentlich nichts zu suchen»,
sagte Kongressleiter Uwe Büsching. Es sei bekannt, dass übermäßiger
Medienkonsum unter anderem die Sprachentwicklung verzögere und es
Zusammenhänge mit der Entwicklung einer
Aufmerksamkeits-Defizit-Störung gebe.

Die sogenannten Blikk-Studie, an der neben dem Ärzteverband und
seiner Stiftung Kind und Jugend unter anderem die Rheinische
Fachhochschule Köln und die Universität Duisburg-Essen beteiligt
sind, untersucht bei bundesweit rund 6000 Kindern bis 13 Jahre den
Umgang mit digitalen Medien.

Konsequenz muss aus Verbandssicht sein, bereits Eltern mit kleinen
Kindern stärker über den Umgang mit elektronischen Medien und zum
vorbeugenden Schutz vor Online-Sucht zu beraten. Bei älteren Kindern
und Jugendlichen sei das auch Teil der ärztlichen
Vorsorgeuntersuchungen.

Der Verband kritisierte in diesem Zusammenhang einen «Flickenteppich»
bei den Früherkennungschecks für Kinder und Jugendliche. Trotz
Verbesserungen, die es seit diesem Jahr gibt, würden die Kosten dafür
weiter nur von einem Teil der gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Vor allem die großen, mitgliederstarken Kassen haben sie laut Verband
im Leistungskatalog.

Zu dem Kongress in Weimar, dessen fachlicher Schwerpunkt neben
Mediennutzung durch Heranwachsende Jugendsexualität ist, werden bis
Sonntag mehr als 300 Mediziner erwartet.