Agenturmeldungen

Ärztepräsident bei Impfpflicht-Verstoß für Strafen mit Ausnahmen

06.05.2019

Berlin (dpa) - Für den Fall der Einführung einer Masern-Impfpflicht
hält Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery Strafen für Verstöße
generell für gerechtfertigt, kann sich aber Ausnahmen vorstellen. Der
Präsident der Bundesärztekammer gab im Gespräch mit der Deutschen
Presse-Agentur zu bedenken: «Eine Impfpflicht lässt sich leicht
verlangen, aber ist schwer umzusetzen. Ich kann mir nicht vorstellen,
dass man Kinder mit der Polizei zum Impfen schleppt.» Deshalb müsse
man versuchen, mit Vernunft auf die Menschen einzuwirken - das
bedeute vor allem mit Aufklärung. Er fügte hinzu: «Sie werden darüber
hinaus aber auch an einigen Strafen nicht vorbeikommen.»

Montgomery sagte weiter: «Man wird auch Kommissionen gründen müssen,
die denjenigen Eltern und Kindern, die schwerwiegende Gründe gegen
die Impfung haben - denn die gibt es auch -, ermöglichen, von einer
Impfung abzusehen. Mir schwebt da so was vor wie früher bei der
Wehrpflicht. Die galt auch für alle, aber es gab Kommissionen, die
die Verweigerer anerkannten. So etwas brauchen wir auch für
Impfungen.»

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will Masern-Impfungen für Kita-
und Schulkinder zur Pflicht machen. Nach einem Gesetzentwurf sollen
Kinder ohne Impfschutz künftig vom Kita-Besuch ausgeschlossen werden
können. Bei Schulen sei dies nicht möglich, da dort die Schulpflicht
gelte. «Aber wer sein Kind nicht impfen lässt, dem drohen Bußgelder
in Höhe von bis zu 2500 Euro», hatte Spahn der «Bild am Sonntag»
gesagt.

Der Ärztepräsident unterstützt die Pläne. «Damit wir in Zukunft
gefährliche Krankheiten ausrotten können, begrüße ich eine
Impfpflicht gegen Viruserkrankungen wie zum Beispiel Masern.»
Montgomery warb erneut für eine Ausweitung. Aus Gründen der
Einfachheit seien vier Impfungen zusammengefasst, gegen Masern,
Mumps, Röteln und Windpocken - diese Vierfachimpfung könne in eine
Impfpflicht mit einfließen. Die Impfungen bekämen Kinder, wenn sich
die Eltern nicht aktiv dagegen wehrten.

Die Masern als Erkrankung seien «recht gefährlich», weil sie
Lungenentzündungen und Hirnhautentzündungen hervorrufen könnten,
sagte Montgomery: «Manche Kinder sterben erst zehn Jahre, nachdem sie
sich mit den Masern infiziert haben. Das ist ein grausames Martyrium,
was man diesen Kindern zumutet, und deswegen ist die Impfung das
deutlich kleinere Risiko.»