Agenturmeldungen

Ärztepräsident fordert Neustart für elektronische Gesundheitskarte

22.05.2018

Berlin (dpa) - Bundesärztepräsident Frank Ulrich Montgomery hat einen
Neustart für die elektronische Gesundheitskarte gefordert. «Das
System der elektronischen Gesundheitskarte ist völlig veraltet. Wir
sollten am besten einmal den Reset-Knopf drücken und über ein neues
System nachdenken», sagte er der «Rheinischen Post» (Dienstag). Die
Gesundheitskarte sei ersonnen worden, «bevor die Versicherten
Smartphones hatten». Dies müsse bei der weiteren Digitalisierung im
Gesundheitswesen berücksichtigt werden.

Die Einführung der Karte war vor mehr als zehn Jahren beschlossen
worden. Mit weiteren Funktionen, die über Basisdaten der Versicherten
hinausgehen, geht es aber nicht voran. Ein Defizit der Karte sei,
dass diese nur in Praxen und Kliniken ausgelesen werden könne, sagte
Montgomery. Es gehe aber nicht an, dass nicht auch Patienten
selbstständig und jederzeit Zugang zu ihren Daten hätten.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich zuletzt für eine Anbindung
von Gesundheitsdaten an das geplante zentrale Bürgerportal im
Internet ausgesprochen. Nötig sei eine «konsequente Digitalisierung
von Verwaltung», die mit der Gesundheitskarte «kompatibel» sei. Auch
Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will den Patienten ergänzend
alternative Möglichkeiten für Datenzugriffe per Handy ermöglichen.
Spätestens nach der parlamentarischen Sommerpause will er Details
vorstellen.

Ärztepräsident Montgomery übte zugleich Kritik an einem überbordenden
Datenschutz, der auch das Gesundheitssystem treffe. «In Deutschland
wird mit dem Datenschutz übertrieben», sagte er der «Rheinischen
Post». Es könne nicht sein, dass künftig Ärzte ihre Patienten über
Datenschutzbelange aufklären müssten. Stattdessen seien «pragmatische
Lösungen» gefordert.