Agenturmeldungen

Ärztetag in Frankfurt: Fachchinesisch und Schweigepflicht

08.05.2015

In der kommenden Woche tagt das Parlament der deutschen Ärzteschaft in Frankfurt. Ein Thema wird die Diskussion über die ärztliche Schweigepflicht sein. Es geht auch um Strategien, wie Ärzte lernen, sich so auszudrücken, dass Patienten sie verstehen.

Frankfurt/Main (dpa) - Mit Blick auf den Germanwings-Absturz und die gesundheitlichen Probleme des Copiloten hat Ärztepräsident Ulrich Montgomery eine Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht abgelehnt. Er warnte am Freitag in Frankfurt vor einem «Dammbruch» und sagte, die Debatte habe ihn «irritiert». «Ich hätte mir ein wenig mehr Respekt vor der ärztlichen Schweigepflicht gewünscht.»

Der Copilot hatte den Absturz, bei dem 150 Menschen starben, nach bisherigen Erkenntnissen vorsätzlich herbeigeführt. Er hatte 2009 unter einer schweren Depression gelitten. Am Absturztag war er krankgeschrieben, was aber niemand wusste. Woran er litt, ist bis heute nicht bekannt. Daraufhin wurde diskutiert worden, ob die strikte ärztliche Schweigepflicht gelockert werden soll.

Das Thema wird auch den Deutschen Ärztetag in der kommenden Woche in Frankfurt beschäftigen. Dort wird es auch um den Kampf gegen Fachchinesisch und diverse Gesetzesinitiativen gehen. Das Parlament der Ärzteschaft tagt von Dienstag bis Freitag. 17 Landesärztekammern entsenden dazu 250 Delegierte. Der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Montgomery, und Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) eröffnen den Kongress am Dienstag in der Paulskirche.

Zum Thema Schweigepflicht sagte Montgomery am Freitag, ein Arzt dürfe das Schweigegebot nur bei einem übergesetzlichen Notstand brechen, etwa, wenn von einem Patienten Lebensgefahr für andere Menschen ausgehe. Der Copilot sei aber tot, von ihm gehe keine Gefahr aus.

Das sogenannte Versorgungsstärkungsgesetz stößt in der Ärzteschaft auf ein geteiltes Echo. Mit vielen Regelungen sei man einverstanden, sagte Montgomery, manches aber bedeute «einen weiteren Abbau der Freiberuflichkeit», zum Beispiel der Zwangsabbau von Praxen oder die geplanten Termin-Servicestellen. «Dagegen werden wir uns wehren.» Auch die geplante Krankenhausreform sieht Montgomery kritisch: «Damit  wird der Investitionsstau festgeschrieben statt beseitigt. Da muss dringend nachgebessert werden.»

Die Stimmung in der Ärzteschaft sei gut, sagte Montgomery. Über der Kassenärztlichen Vereinigung brauten sich zwar gerade «gewaltige Gewitterwolken» zusammen. Er hoffe aber, dass der Ärztetag zur Klärung beitragen werde. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, steht wegen Abrechnungsstreitigkeiten unter Druck.