Agenturmeldungen

Betrüger im Arztkittel - Falsche Mediziner sind Problem für Kliniken

15.07.2019

Mit gefälschten Urkunden verschaffen sich Hochstapler eine
Einstellung als Arzt. Kliniken und Praxen haben es schwer, die
Betrüger zu erkennen. Mancher aufgeflogener Scharlatan probiert es
einfach erneut in einem anderen Krankenhaus.

Kassel (dpa) - Für die Patienten war er ein Halbgott in weiß. Doch
den Ermittlern zufolge steckte unter dem Arztkittel nur ein
notorischer Betrüger: Immer wieder soll es einem 37-Jährigen gelungen
sein, Arbeitgeber zu täuschen und einen Job als Arzt zu bekommen. Am
Montag (15.7.) steht der Mann nun in Kassel vor Gericht - wieder
einmal. Der Mann ist kein Einzelfall: Immer wieder narren Hochstapler
Krankenhäuser und Praxen.

Gewerbsmäßige Urkundenfälschung, Betrug, versuchte gefährliche
Körperverletzung lauten die Vorwürfe gegen den 37-Jährigen unter
anderem. Laut Anklage erschlich er sich zwischen Oktober 2017 und Mai
2018 Anstellungen als Arzt. Urkunden - Approbationsbescheinigungen
und Anerkennungen als Facharzt - habe er gefälscht. So arbeitete er
in einer Kasseler Praxis, ließ sich über einen Personalservice in
eine Klinik in Kemnath (Bayern) vermitteln und wurde in einer Klinik
in Melsungen (Hessen) eingestellt. Dort enttarnte ihn eine
Krankenschwester, das Krankenhaus machte den Fall öffentlich.

Dass kein Patient zu Schaden kam, ist Zufall: Laut Staatsanwaltschaft
verordnete er einem Baby ein falsches Medikament, einer Nachbarin der
Mutter des Kindes fiel das rechtzeitig auf. Bei seinem Einsatz in
Melsungen machte er Fehler bei einer Bluttransfusion.

Dabei war der Mann zu diesem Zeitpunkt bereits wegen ähnlicher
Vergehen verurteilt. Er hatte sich in Kassel und Hildesheim als Arzt
auf Probe anstellen lassen und war aufgeflogen. Doch weil er sich
gegen das Urteil wehrte, wurde es erst im April rechtskräftig: zwei
Jahre und fünf Monate Gefängnis. Eigentlich hätte der Mann nicht
einmal in Deutschland sein dürfen. Der Libyer hatte laut Anklage
seinem Arbeitgeber auch in dieser Sache gefälschte Unterlagen
vorgelegt.