Agenturmeldungen

Brexit: Handel der Pharmabranche mit Großbritannien bricht ein

16.01.2019

Frankfurt/Main (dpa) - Vor dem geplanten Brexit ist der Handel der
deutschen Chemie- und Pharmabranche mit Großbritannien eingebrochen.
Im vergangenen Jahr sank das Handelsvolumen mit dem Vereinigten
Königreich um fast 10 Prozent auf 16 Milliarden Euro, zeigen erste
Schätzungen des Branchenverbands VCI, die der Deutschen-Presse
Agentur vorliegen. 2017 wurden noch Chemieprodukte und Arzneien im
Wert von 17,7 Milliarden Euro zwischen Deutschland und Großbritannien
ausgetauscht. Sowohl Exporte als auch Importe gingen deutlich zurück.

Großbritannien ist einer der größten Abnehmer deutscher Medikamente.
Mit dem Rückgang im vergangenen Jahr rutscht das Land auf Platz acht
der wichtigsten Handelspartner der hiesigen Chemie- und
Pharmabranche. 2017 lag Großbritannien noch auf Platz sieben.

Der Einbruch im Handel hänge stark mit Arzneien zusammen, erklärte
der Verband der Chemischen Industrie (VCI) am Mittwoch in Frankfurt.
Möglicherweise hätten deutsche Pharmaunternehmen weniger Medikamente
von der Insel importiert und stattdessen zur Risikovorsorge vor einem
Brexit Verträge mit anderen Zulieferern in Europa als Ersatz für
britische Produkte abgeschlossen. Bei den Pharma-Exporten nach
Großbritannien wiederum habe sich der Rückgang seit 2016 fortgesetzt.

Der VCI hatte wiederholt vor den Folgen eines ungeordneten Brexit
gewarnt und Sorgen darum als einer der Gründe genannt, warum die
Branchenkonjunktur zuletzt an Fahrt verlor. Nun droht aber Ende März
ein Brexit ohne Abkommen mit der EU: Am Dienstagabend stimmte das
britische Parlament klar gegen den Deal von Premierministerin Theresa
May. Sie muss sich am Mittwoch einem Misstrauensvotum stellen.