Agenturmeldungen

Bundesregierung will Alltagsverbesserungen für Demenzkranke

19.09.2018

Dass Menschen unter Demenz leiden, soll kein Tabuthema mehr sein. Die
Bundesregierung macht sich für mehr Hilfsangebote und eine bessere
Betreuung stark. Und appelliert auch an die gesamte Gesellschaft.

Berlin (dpa) - Immer mehr Menschen in Deutschland haben Demenz - und
sollen im Alltag doch gut zurechtkommen und nicht ausgegrenzt werden.
Darauf zielt eine Strategie, die die Bundesregierung nun auf den Weg
bringt. «Menschen mit Demenz und ihre Familien gehören in die Mitte
der Gesellschaft», sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am
Mittwoch in Berlin. Zur Verbesserung der Situation gehörten eine gute
Versorgung und ein verständnisvoller Umgang - in Praxen, aber etwa
auch in Bürgerämtern oder Supermärkten. Familienministerin Franziska
Giffey (SPD) erläuterte, zu den Zielen gehöre unter anderem, eine
bundesweit gleich gute Qualität örtlicher Anlaufstellen zu schaffen.

In Deutschland leben derzeit 1,7 Millionen Menschen mit Demenz, also
einem Verlust wichtiger Gehirnfunktionen. Jährlich erkranken
geschätzt 300 000 Menschen neu. Bis 2050 wird auch angesichts der
alternden Gesellschaft mit drei Millionen Betroffenen gerechnet.

Die große Koalition will daher eine «Nationale Demenzstrategie»
erarbeiten, die das Kabinett Anfang 2020 beschließen soll. In einer
«Allianz für Menschen mit Demenz» von Bund und mehreren Verbänden
wurden in den vergangenen Jahren schon zahlreiche Projekte umgesetzt
- etwa Forschungsvorhaben oder Schulungen im Umgang mit Erkrankten.

Giffey sagte: «Die Diagnose darf nicht dazu führen, dass Menschen von
der Gesellschaft ausgeschlossen werden.» Spahn forderte, es dürfe
kein Tabu mehr sein, über Demenz zu sprechen. Schulungen könnten
dabei helfen, wie man möglichst selbstverständlich und ohne Vorwürfe
damit umgeht, wenn zum Beispiel im Supermarkt ein Erkrankter nicht
mehr genau weiß, was er kaufen will. Der Gesundheitsminister betonte:
«Mein großer Traum ist es, dass wir es schaffen, Demenz als Krankheit
zu besiegen, heilbar zu machen.» Dafür werde in Forschung investiert.

Noch bis diesen Sonntag wird unter dem Motto «Demenz - dabei und
mittendrin» in Aktionen dafür geworben, dass Menschen mit Demenz Teil
der Gesellschaft sind und einbezogen werden sollen. Botschafterin der
«Woche der Demenz» ist Moderatorin und Buchautorin Bettina Tietjen.