Agenturmeldungen

Cannabis auf Rezept für 13 000 Versicherte

10.01.2018

Wie viele Patienten Cannabis auf Rezept bekommen würden, war beim
Start des entsprechenden Gesetzes noch unklar. Jetzt steht fest: Es
sind mehrere Tausend.

Berlin (dpa) - Zehn Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes für
Cannabis auf Rezept haben mehr als 13 000 Versicherte einen Antrag
dafür gestellt. Das geht aus Zahlen der größten Krankenkassen hervor,
unter denen die «Rheinischen Post» eine Umfrage dazu gemacht hatte.
Allein die Allgemeinen Ortskrankenkassen hätten bisher mehr als 7600
Anträge zur Verordnung von medizinischem Cannabis erhalten, wie eine
AOK-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Bei der Barmer gingen laut der Zeitung bis Ende 2017 rund 3200
Anträge ein. Die Techniker Krankenkasse hat bis Ende November rund
2200 Anträge auf Kostenerstattung erhalten.

Die Genehmigungsquote liegt jeweils bei rund zwei Drittel der Fälle,
bei der AOK etwa bei rund 64 Prozent. «Gleichwohl bedeutet das nicht,
dass die anderen Anträge abgelehnt wurden», sagte die Sprecherin.
Viele Anträge seien formell nicht vollständig. Arzt und Patient
hätten dann die Möglichkeit, den Antrag erneut einzureichen.

Immer wieder beantragten aber auch Patienten Cannabis auf Rezept,
obwohl sie keine Erkrankungen im Sinne des Gesetzes hätten. «Mitunter
sind das Fälle von Bandscheibenvorfällen, die bislang nur mit
Wärmetherapie behandelt wurden.» Cannabis auf Rezept bekommen etwa
Patienten mit schweren chronischen Schmerzen, einzelne konkrete
Krankheiten führt das Gesetz vom März 2017 nicht auf.

Wie viele Patienten von Cannabis auf Kassenkosten Gebrauch machen
würden, hielt der Gesetzentwurf ausdrücklich offen. Es lasse sich
nicht abschätzen, «in welchem Umfang Ärztinnen und Ärzte sowie
Patientinnen und Patienten von einer Verschreibungsmöglichkeit für
Cannabisblüten und Cannabisextrakte Gebrauch machen werden», hieß es.
Der Entwurf führte lediglich an, dass Anfang April 2016 bereits 647
Patienten eine betäubungsmittelrechtliche Ausnahmeerlaubnis hatten.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU),
bewertete die Zahl der Anträge positiv. «Die steigende Zahl der
Genehmigungen zeigt, wie wichtig es war, dieses Gesetz im letzten
Jahr auf den Weg zu bringen», sagte sie der «Rheinischen Post».
Cannabis sei aber kein Allheilmittel.