Agenturmeldungen

Die Krux mit der Grippeimpfung

16.01.2018

Eine Immunisierung soll vor einer Krankheit schützen. Einer der
diesjährigen Grippe-Impfstoffe scheint diesen Schutz aber nicht wie
erhofft zu bieten.

Berlin (dpa) - Viele Menschen, die sich gegen die Grippe haben impfen
lassen, sind in diesem Jahr vielleicht trotzdem nicht optimal
geschützt. Warum ist das so? Und was kann man jetzt tun? Die
wichtigsten Antworten.

Was genau ist das Problem?

Die Impfung mit dem gängigen Dreifachimpfstoff wirkt nach einer
ersten Einschätzung von Experten in dieser Saison nur bedingt. Denn
mehr als die Hälfte der bisher nachgewiesenen Influenza-Fälle wurde
durch Influenza-B-Viren der sogenannten Yamagata-Linie verursacht.
Diese Viren werden aber durch den gängigen Dreifachimpfstoff nicht
abgedeckt, wie Marieke Degen aus der Pressestelle des Robert
Koch-Instituts (RKI) erklärt. Zuvor hatte die «Neue Osnabrücker
Zeitung» über das Thema berichtet. 

Ist denn auch ein besserer Impfstoff verfügbar?

Ja. Seit einigen Jahren gibt es einen Vierfachimpfstoff, der aber
teurer ist und bislang wesentlich seltener verabreicht wird. Dieser
deckt mehr Viren ab - auch den Influenza-B-Virus der Yamagata-Linie.
Seit kurzem empfiehlt die Ständige Impfkommission am RKI diesen
Vierfachimpfstoff. Die Entscheidung ist laut RKI aber noch so jung,
dass noch nicht klar ist, ob die Krankenkassen die Kosten für diese
Impfung übernehmen. Das müsse im Moment jeder Versicherte mit seiner
Kasse klären.

War eine Impfung mit dem Dreifachimpfstoff dann umsonst?

Nein. «Die Impfung schützt ja immer noch vor allem gegen die A-Viren,
die in dieser Saison noch verstärkt auftauchen können», sagt Marieke
Degen. Und sie ergänzt: «Die Yamagata-Linie, die im jetzigen
Dreifach-Impfstoff fehlt, war allerdings im Dreifachimpfstoff der
Saison 2015/16 enthalten.» Wer sich regelmäßig jedes Jahr gegen die
Grippe habe impfen lassen, sei möglicherweise auch noch zu einem
gewissen Teil geschützt.

Kann ich mich jetzt noch nachimpfen lassen?

Bei Menschen, die sich noch nicht gegen die Grippe haben impfen
lassen, macht das Immunisieren mit dem Vierfachimpfstoff laut RKI
jetzt noch Sinn. Wer bereits einen Dreifachimpfstoff erhalten hat,
sollte sich aber nicht generell noch einmal nachimpfen lassen, wie
Degen erklärt. Eine Nachimpfung komme aber eventuell bei
Hochrisikopatienten in Frage, die an mehreren Grunderkrankungen
leiden. «Aber das muss der Arzt individuell entscheiden.»

Wie gut können Grippeimpfungen überhaupt schützen?

Der Schutzwirkung ist grundsätzlich nicht so hoch wie bei anderen
Impfungen. «Eine Grippeimpfung hat bei älteren Menschen eine
Wirksamkeit von etwa 40 bis 60 Prozent. Es gibt aber auch Jahre, in
denen die Schutzwirkung noch geringer ausfällt, weil die
Zusammensetzung des Impfstoffs nicht gut zu den zirkulierenden Viren
passt», sagte Degen. Eine Impfung gegen Grippe wird vor allem für
Menschen ab 60 Jahren, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen,
chronisch Kranke wie Diabetiker, Schwangere und medizinisches
Personal empfohlen.

Warum ist es so schwer, einen wirksamen Grippe-Impfstoff anzubieten?

Das problematische an Grippeviren ist, dass sie extrem wandelbar
sind. Von Saison zu Saison unterscheidet sich, welches Virus am
häufigsten vorkommt. Die Viren selbst können sich auch immer wieder
verändern. Laut Degen beobachten Grippeexperten weltweit aber sehr
genau, welche Viren gerade unterwegs sind und ziehen Rückschlüsse für
die Zusammensetzung des Impfstoffs für die kommende Saison. Selbst
wenn die Wirksamkeit der Influenzaimpfung am Ende nicht optimal sei,
könne sie viele Erkrankungsfälle verhindern, betont Degen.