Agenturmeldungen

Doppelte Belastung - Depressionen bei Diabetikern unterschätzt

30.11.2017

Berlin (dpa) - Depressionen bei Diabetikern werden Experten zufolge

unterschätzt. Die psychische Erkrankung komme bei Menschen mit

Diabetes doppelt so häufig vor wie in der Normalbevölkerung, sagte

Bernd Kulzer von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) am

Donnerstag in Berlin. Der Psychologe ist dort Sprecher der

Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Psychologie. Die Hälfte aller

Depressionen bei Diabetes werde nicht erkannt.

 

Auslöser für eine Depression kann laut DDG sein, dass die Therapie

für die Betroffenen zur Last wird. Depressionen erschweren dem

Experten zufolge auch die Behandlung von Diabetes, die stark in der

Hand des Patienten liegt. Fehlen Antrieb und Energie, drohten

Rückschläge. 

 

Der von der Depression verursachte Dauerstress wirke zudem wie ein

Brandbeschleuniger für Gefäßschädigungen, so Kulzer. Daneben führten

Depressionen bei Diabetikern zu schlechteren Blutzuckerwerten und

ungesünderem Lebensstil. Folgeerkrankungen zu behandeln, bedeute bei

dieser doppelt belasteten Gruppe deutlich erhöhte Kosten. 

 

In Deutschland gibt es laut DDG 6,5 Millionen Menschen mit Diabetes.

Nach Schätzungen haben 800 000 Betroffene auch eine

behandlungsbedürftige Depression. Bei Warnzeichen rät die

Fachgesellschaft, psychologische Hilfe zu suchen.