Agenturmeldungen

Erster Todesfall 2017: 37-Jährige Frau stirbt an Masern

23.05.2017

Von wegen Kinderkrankheit: Masern können tödlich enden. In Essen ist
jetzt eine junge Frau an den Folgen einer Masernerkrankung gestorben.
Die Behörden appellieren an die Bevölkerung, den Impfstatus zu
kontrollieren.

Essen (dpa) - Eine 37 Jahre alte Frau ist in Essen an Masern
gestorben. Sie sei am Wochenende trotz intensivmedizinischer
Behandlung «ziemlich schnell verstorben», sagte der Leiter des
Gesundheitsamtes, Rainer Kundt, am Dienstag. Nach Angaben des Robert
Koch-Instituts (RKI) handelt es sich bundesweit um den ersten
Maserntodesfall in diesem Jahr. Zuletzt waren in Deutschland 2015 und
2011 je ein Mensch gestorben.

Nach Angaben von Kundt war die Frau als Kind einmal geimpft worden,
was den damaligen Empfehlungen entsprochen habe. Dies habe jedoch
offenbar nicht ausgereicht. Die Empfehlungen der Ständigen
Impfkommission (STIKO) seien später geändert worden. Mittlerweile
würden für Kinder zwei Impfungen empfohlen.

Bei Masern handele es sich um eine Viruserkrankung, die das
Immunsystem schwäche, sagte Kundt. «Bakterielle Erkrankungen können
sich daraufsetzen.» Bei Masern könne es etwa zu einer Lungen- oder
Hirnhautentzündung kommen. Woran genau die Frau in Essen starb, wurde
nicht bekannt. Zuvor hatten mehrere Medien über den Fall berichtet.

Dem RKI wurden bis Ende April bundesweit 583 Masernfälle gemeldet,
davon 330 in Nordrhein-Westfalen. Davon wiederum entfielen 258 auf
Duisburg. Dort sind nach früheren Angaben des zuständigen
Gesundheitsamtes vor allem südosteuropäische Zuwanderer mit fehlendem
oder ungeklärtem Krankenversicherungsschutz betroffen.

In Essen wurden den Behörden bislang 32 Masernfälle bekannt. Wegen
hohen Fiebers hätten auch einige im Krankenhaus behandelt werden
müssen, sagte Kundt. Die meisten Erkrankten seien aber inzwischen
wieder genesen. Auch in Essen seien vor allem Menschen aus
Südosteuropa erkrankt. Bei der Verstorbenen habe es sich allerdings
um eine Bürgerin ohne Migrationshintergrund gehandelt.

RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher sagte, dass die Zahl der
Masernerkrankungen in Deutschland von Jahr zu Jahr stark schwanke. So
wurden 2016 bundesweit 323 Fälle registriert. 2015 waren es 2464.

Kundt appellierte an die Bevölkerung, den Impfstatus zu überprüfen.
Erwachsene, die nach 1970 geboren wurden und als Kind keine oder nur
eine Impfung erhalten haben, sollten eine Standardimpfung gegen
Masern, Mumps und Röteln (MMR) nachholen.

Gesundheitsminister Hermann Gröhe hält die Einführung einer
Impfpflicht in Deutschland nicht für nötig, um die Masern endgültig
zu verbannen. In Deutschland sei die Impfbereitschaft bei der ersten
Standardimpfung groß, dann sinke sie, sagte Gröhe der Deutschen
Presse-Agentur am Montag am Rande der Jahrestagung der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf. «Das Problem ist nicht so
sehr der kleine harte Kern der Impfgegner. Es geht darum, dass wir
diejenigen, die zu einer ersten Impfung ja gesagt haben, durch
beharrliches Erinnern dazu führen, auch die zweite Impfung
vorzunehmen.»

Masern sind hoch ansteckend. Die Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung betont, dass eine Maserninfektion keine harmlose
«Kinderkrankheit» sei: Bei etwa jedem zehnten Betroffenen träten
Komplikationen auf. Nach Angaben des RKI endet im Schnitt jede
tausendste Erkrankung tödlich.