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Ethikrat kritisiert «unzulässige Verengung» der Impfdebatte

24.04.2019

Berlin (dpa) - Der Deutsche Ethikrat hat eine differenziertere
Debatte über Maßnahmen zur Erhöhung von Impfquoten gefordert. Im
Hinblick auf Forderungen nach einer Impfpflicht gegen Masern
kritisierte das Gremium am Mittwoch eine «unzulässige Verengung
der Diskussion auf Kinder», eine unzureichende Berücksichtigung der
Datenlage und «den unscharfen Begriff der Impfpflicht».  

Nach Ansicht des Ethikrates werde zu Recht über Maßnahmen zur
Erhöhung der Impfquoten für Masern diskutiert, hieß es in einer
Mitteilung. Das Gremium hob aber hervor, dass fast die Hälfte aller
an Masern Erkrankten in Deutschland Erwachsene seien. «Maßnahmen mit
dem Ziel, die Masernimpfquote zu erhöhen, müssen als Adressaten
sowohl Kinder als auch Erwachsene einbeziehen.»

Die Bundesregierung bereitet Vorschläge für eine Impfpflicht vor, die
Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Mai vorlegen will. Er hatte
sich grundsätzlich für verpflichtende Masern-Impfungen für Kinder in
Kitas und Schulen ausgesprochen. Masern sind hochansteckend und
können in seltenen Fällen auch tödlich verlaufen.

Der Ethikrat kritisierte auch, dass unklar sei, wie eine solche
Pflicht ausgestaltet und wie sie durchgesetzt werden könne. «Erst die
Präzisierung der Ausgestaltung einer Impfpflicht und ihrer
Durchsetzung ermöglicht eine angemessene ethische und rechtliche
Abwägung der betroffenen Schutzgüter.» Zudem verwies das Gremium
darauf, dass die Erstimpfungsquote gegen Masern bei Kindern bei der
Einschulung bei 97,1 Prozent liege - was eine große Akzeptanz zeige.
«Probleme entstehen aber vor allem durch die noch unzureichende Quote
bei den Zweitimpfungen von 92,9 Prozent sowie aufgrund der
beträchtlichen regionalen Unterschiede.»

Der Ethikrat kündigte an, noch vor der Sommerpause eine Stellungnahme
zum Thema vorzulegen. Er berät Bundesregierung und Bundestag in
ethischen, medizinischen, rechtlichen und sozialen Fragen.