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EU-Gesundheitsstudie: Deutschland mit Spitzenwert bei Depressionen

12.12.2019

Wie depressiv fühlen sich die Deutschen im Vergleich zu anderen
europäischen Staaten? Die hohen Werte mögen überraschen. Doch das
kann viele Gründe haben - nicht nur negative.

Berlin (dpa) - Die Bundesbürger fühlen sich im Vergleich zur
Bevölkerung anderer EU-Staaten stärker von Depressionen belastet. Das
geht aus der neuen EU-Gesundheitsbefragung (Ehis) hervor, die das
Robert Koch-Institut am Mittwoch veröffentlichte. Demnach kommt eine
depressive Gefühlslage mit 9,2 Prozent der Befragten in Deutschland
deutlich häufiger vor als im EU-Durchschnitt mit 6,6 Prozent. Die
Quote in Deutschland liegt sogar mit an der Spitze der 25 EU-Länder,
die bei der Studie mitmachten: Die Bundesrepublik hat den
zweithöchsten Wert nach Luxemburg (10 Prozent).

Die Ergebnisse für Deutschland könnten jedoch davon mitbeeinflusst
sein, dass hier über das Thema Depression öffentlich breit diskutiert
wird, und die Sensibilität höher sein könnte als in anderen
EU-Ländern, heißt es in der Studie. Darüber hinaus könnte es möglich
sein, dass die befragten Bundesbürger eher bereit waren, psychische
Symptome zu nennen. In Deutschland wurden für die Befragung zwischen
November 2014 und Juli 2015 rund 25 000 Menschen ab 15 Jahren per
Stichproben aus Registern der Einwohnermeldeämter ausgewählt. Rund
ein Viertel von ihnen (27 Prozent) beantwortete den Fragebogen
schriftlich oder online.

Für die Gesundheitsstudie wurden insgesamt mehr als 254 000 Menschen
in 25 EU-Staaten angeschrieben und unter anderem zu depressiven
Symptomen befragt. Dazu zählten im Rückblick auf die vergangenen
beiden Wochen etwa vermindertes Interesse, Appetitverlust,
Schlafstörungen, psychomotorische Unruhe, Energieverlust,
Wertlosigkeitsgefühle und Konzentrationsprobleme.

Jedes Land bekam Kategorien für Symptome empfohlen, konnte sie aber
nach eigener Methode abfragen. Unterschiede in der Depressionsneigung
in Europa erklären die Autoren auch mit regionalen Besonderheiten bei
Bildung, Einkommen und Arbeitslosigkeit. Hinzu kämen kulturelle
Unterschiede - zum Beispiel bei der Stigmatisierung der Krankheit.

Im Ergebnis liegt Deutschland nur bei den Symptomen einer leichten
depressiven Verstimmung deutlich über dem EU-Durchschnitt. Vor allem
jüngere Bundesbürger nannten hier gehäuft Symptome. Die schwere
Ausprägung der Krankheit lag dagegen bei allen Bundesbürgern mit 2,9
Prozent nahe am EU-Durchschnitt von 2,5 Prozent.

Wie in einer Mehrheit der anderen EU-Staaten auch waren Frauen in
Deutschland (10,8 Prozent) häufiger betroffen als Männer (7,6
Prozent). Dieses Phänomen werde international diskutiert, heißt es in
der Untersuchung. Neben biologischen Faktoren gehe es dabei unter
anderem um die Frage, ob es bei Frauen eine größere Häufung von
psychosozialen Stressfaktoren gibt.

In Deutschland geht die Stiftung Deutsche Depressionshilfe nicht
davon aus, dass die Neigung zu Depressionen generell steigt. Vielmehr
werde die Krankheit von Ärzten häufiger erkannt als früher. In der
Bevölkerung sei zudem die Bereitschaft gewachsen, sich behandeln zu
lassen.

Nach Angaben der Stiftung erkranken 5,3 Millionen Deutsche zwischen
18 und 79 Jahre im Laufe eines Jahres an einer anhaltenden
depressiven Störung (8,2 Prozent). Diese Zahl erhöhe sich noch um
Kinder, Jugendliche und Menschen über 79 Jahre.