Agenturmeldungen

(Fragen & Antworten) Smartphone in Kinderhand - Wie Risiken vermindert werden können

30.05.2017

Sollen Kinderzimmer eine smartphonefreie Zone sein? Deutschlands
Kinderärzte raten: So ein Gerät soll es erst ab 12 Jahren geben. Denn
zuviel Daddeln - so eine neue Studie - kann krank machen.

Berlin (dpa) - Mangelnde Konzentration, Zappeligkeit, Fettleibigkeit
- das können Folgen übermäßiger Smartphonenutzung bei Kindern und
Jugendlichen sein. Die Bundesdrogenbeauftragte zeigt sich bei der
Vorstellung einer neuen Studie alarmiert. Experten raten zu Grenzen
und festen Regeln - ein Überblick:

In welchem Ausmaß können Smartphones zum Gesundheitsrisiko werden?

Laut der am Montag vorgestellten Studie ist das Risiko von
Konzentrationsstörungen bei mehr als einer halben Stunde
Smartphonenutzung pro Tag bei 2- bis 5-Jährigen drei Mal höher als
normalerweise, bei 8- bis 13-Jährigen sogar sechs Mal höher. Auch die
Sprachentwicklung kann bei Jüngeren behindert werden, das Risiko für
motorische Hyperaktivität liegt 3,5 Mal höher.

Welche Folgen können noch auftreten?

Die Studienautoren sagen, sie hätten auch Hinweise gefunden, dass
Säuglinge eher Bindungsstörungen entwickeln, wenn Mütter neben der
Betreuung ins Handy gucken. Auch der Konsum von Süßigkeiten und
gezuckerten Getränken bei Kindern steige im Schnitt bei regelmäßiger
Smartphonenutzung - und damit das Risiko, dick zu werden.

Ist Fernsehen genauso riskant?

Nicht ganz - so die Erhebung. Das Risiko von Konzentrationsstörungen
liege bei mindestens einer halben Stunde Fernsehen pro Tag bei 2- bis
5-Jährigen nur zwei Mal höher, bei den 8- bis 13-Jährigen fünf Mal
höher - jeweils etwas weniger als bei Smartphones.

Wie kamen die Ergebnisse zustande?

In 79 Kinderarztpraxen bundesweit wurden Fragebögen für mehr als 5500
Teilnehmer ausgefüllt, befragt wurden die Kinder, bei kleinen Kindern
die Eltern. Laut den Studienautoren ist die Erhebung repräsentativ.

Waren frühere Computerspiele nicht genauso riskant?

Studienautor Rainer Riedel meint: Nein. Denn die Verbreitung der
Smartphones sei größer, so der Direktor des Instituts für
Medizinökonomie und medizinische Versorgungsforschung Köln. Und
Kinder und Jugendliche könnten mit den kleinen Geräten auch leichter
unbemerkt in die virtuelle Welt versinken - manchmal stundenlang.

Ab wann sollen Kinder überhaupt Smartphones bekommen?

Uwe Büsching vom Vorstand des Berufsverbands der Kinder- und
Jugendärzte sagt: «Ein Handy braucht ein Kind nicht vor dem 12.
Geburtstag.» Die Medien-Pädagogin Kristin Langer gab in einem
«Spiegel Online»-Interview zu bedenken, Smartphones seien teuer und
dürften nicht geklaut werden. «Ein Smartphone ist also auch mit
mehreren Stressfaktoren belegt, das kann ein zehnjähriges Kind
belasten.» Gerade die Kleinen schickten sich aber eher harmlose Dinge
zu.

Wie häufig nutzen Kinder Handy oder Smartphone?

Laut der «KIM-Studie» des Medienpädagogischen Forschungsverbunds
Südwest nutzen 67 Prozent der 6- bis 13-Jährigen Handy oder
Smartphone selten oder öfter. Das Kommunizieren mit Textnachrichten
steht bei 38 Prozent von ihnen an erster Stelle, etwa jeder Vierte
nutzt täglich Apps oder das Internet.

Was sollten Eltern tun?

Pädagogin Langer rät dazu, dass Eltern beim Elternabend Bedenken
ansprechen - dann falle es gemeinsam leichter, den Kindern den Wunsch
nach einem Smartphone noch nicht in der fünften oder sechsten Klasse
zu erfüllen. «Wichtig ist, passwortgeschützte
Sicherheitseinstellungen vorzunehmen, so dass Kinder nicht allein ins
Internet gehen können», sagt sie. Kinderarzt Büsching rät zu einer
automatischen Zeitabschaltung. Vor dem Handykauf sollten Eltern und
Kinder Regeln vereinbaren - in Form eines Vertrags. Die Eltern
müssten dann aber auch gucken, ob die Regeln eingehalten werden.

Was sollten Eltern noch beachten?

Sie sollten darauf hinwirken, dass ihre Kinder andere Dinge tun, die
ihnen Spaß machen - malen, klettern, schwimmen, Fußballspielen.
Handyfreie Zeit und handyfreie Orte könnten helfen, so der Experte
Riedel.

Gibt es auch technische Angebote für mehr Jugendschutz?

Ja, etwa die Filtersoftware JusProg, die die Kinder vor nicht
altersgerechten Inhalten im Internet schützt. Riedel meint zudem,
gegen mögliches Online-Mobbing kann es helfen, wenn Eltern die Chats
der Kinder mitlesen.