Agenturmeldungen

Fresenius will Patienten schneller durch die Kliniken bringen

21.11.2017

Frankfurt/Main (dpa) - Deutschlands größter Privatklinikbetreiber

Fresenius will seine Krankenhäuser noch stärker auf Effizienz

trimmen. Das soll Kosten sparen und den Gesundheitskonzern trotz

Schwächen im US-Geschäft mit Flüssigmedizin auf Kurs halten.

Patienten blieben im Schnitt sechs Tage zur Behandlung in den

deutschen Fresenius-Kliniken, bei der spanischen Konzerntochter

Quirónsalud seien es nur vier Tage. «Wir können uns dort effizientere

Prozesse abschauen», sagte Konzernchef Stephan Sturm am Montagabend

in Frankfurt. Zugleich dämpfte er Sorgen angesichts von Problemen bei

der milliardenschwere Übernahme des US-Konzerns Akorn.

 

Fresenius ist mit 111 Krankenhäusern Marktführer hierzulande vor

Konkurrenten wie Asklepios und betreibt Häuser etwa in Berlin und

Wiesbaden. 2016 hatte der Dax-Konzern aus Bad Homburg den spanischen

Klinikbetreiber Quirónsalud für gut 5,7 Milliarden Euro gekauft -

auch weil der deutsche Markt aufgeteilt ist und Fresenius bei

weiteren Übernahmen auf Kartellhürden stoßen würde. Der Kauf von

Quirónsalud hatte Fresenius im dritten Quartal erneut Umsatzsprünge

gebracht. Auch deshalb peilt der Konzern 2017 Rekordgewinne an.

 

Das deutsche Krankenhaussystem kritisierte Sturm als «antiquiert». Zu

viele klamme Kliniken würden künstlich am Leben gehalten, der Markt

sei zersplittert. Größere Häuser lieferten aber bessere Ergebnisse,

da «bei vielen Behandlungen kein Sand ins Getriebe kommt». Kliniken

könnten straffer arbeiten, ohne das Patientenwohl zu gefährden, sagte

Sturm. Kranken seien dabei auch frühere Entlassungen zumutbar.

 

Zugleich trat der Fresenius-Chef Sorgen entgegen, er habe sich mit

der knapp vier Milliarden Euro teuren Übernahme des US-Konzerns Akorn

überhoben, der Nachahmermedikamente wie intravenös zu verbreichende

Arzneien herstellt. Es gebe Preisdruck in Amerika bei Tabletten,

dieser habe aber Flüssigmedizin noch nicht erfasst. Zwar könnte die

hohe Profitabilität von Fresenius mit Flüssigarzneien etwas

schwinden, doch große Anbieter dürften im Preiskampf bestehen. Auch

müsse Fresenius wegen der Übernahme keine Werte in der Bilanz

abschreiben oder frisches Kapital aufnehmen. Wegen Sorgen um die

Akorn-Übernahme war die Fresenius-Aktie zuletzt eingebrochen. 

 

Weitere Übernahmen schloss Sturm nicht aus. «Ich bin in jedem

Unternehmensbereich bereit für Wachstum, sei es aus eigener Kraft

oder über Zukäufe», sagte er. Es sei aber nicht nötig, das hohe Tempo

an Zukäufen der vergangenen Jahre aufrecht zu erhalten.